Wie können produzierende Unternehmen schnell auf Veränderungen reagieren?

© Supachai Boonsomchuer - stock.adobe.com
Bewerten
5 Bewertungen,
Durchschnitt 5,0

Wie können sich produzierende Unternehmen optimal aufstellen, um Prozesse und Planung schnell anpassen zu können? Nicht nur in der aktuellen Krise führen Flexibilität, Agilität und schnelles Reaktionsvermögen zu Wettbewerbsvorteilen.

Die weltweite COVID19-Pandemie setzt nicht nur Großkonzerne mit deren weltweiten Standorten und Lieferketten unter Druck, sondern auch kleine und mittlere Unternehmen und deren – meist lokale – Produktionswerke. Dabei kommt es unabhängig von angeordneten Schließungen vielfach zu Produktionsproblemen und -stillständen, da wesentliche Komponenten nicht geliefert werden können. Zeitgleich steigt die Nachfrage nach Produkten, die Unternehmen bisher vielleicht gar nicht oder nicht vorrangig gefertigt haben, die bei geringer Anpassung der Produktionsabläufe aber eine interessante Ergänzung des Angebots darstellen können.

Wie können Unternehmen trotz der Auswirkungen von Covid-19 auf ihre Produktion weiterhin innovativ bleiben und ihr Know-how gewinnbringend anwenden?

Ziehen wir als Beispiel einen Zulieferer aus der kunststoffverarbeitenden Industrie heran, stellvertretend für das produzierende Gewerbe: Mit seinen Spritzgussmaschinen und den anschließenden Montagelinien fertigt er im Normalbetrieb in seinen zwei deutschen Werken komplexe Kunststoffkomponenten für die Automobil-, Medizintechnik- und Elektronikindustrie.

Treten extreme Nachfrage- oder Kapazitätsschwankungen auf, ausgelöst beispielsweise durch eine Krise, werden zunächst die Auftragslage, die Lieferketten und die interne Produktionslage geprüft. Bei der Betrachtung der aktuellen und geplanten Aufträge wird gemeinsam mit den Auftraggebern besprochen, ob sie überhaupt noch bedient, reduziert, gestrichen, verschoben oder gar vorgezogen werden sollen.

Fragen bezüglich der internen Produktionsplanung sind:

  • Sind in der aktuellen Lage genügend Mitarbeiter verfügbar, die die Aufträge bedienen können?
  • Kann das Personal die Auftragsmenge in der vorgesehenen Zeit fertigen?
  • Können gesetzliche Auflagen gewissenhaft umgesetzt werden? Dies kann die Einhaltung der Hygienemaßnahmen im Betrieb, die Gewährleistung der vorgegebenen Abstände und die Begrenzung der Mitarbeiterzahl pro Betrieb und Schicht betreffen.

Die Konsequenzen aus diesen Fragestellungen auf die Produktionsprozesse können vielfältig sein: Ausplanen von Arbeitsplätzen und Maschinen, Änderungen von Arbeitsabläufen, das Strecken oder Kürzen von Schichten etc.

Derzeit stehen viele Unternehmen vor großen Herausforderungen, so auch der Zulieferer für Kunststoffteile in unserem Beispiel. Das liegt an wegbrechenden Umsätzen und Planungsunsicherheiten, bedingt durch die unklare Auftragslage, sowohl auf Kunden- als auch auf Lieferantenseite. Die Nachfrage nach Produkten, die bislang nicht aus dem Portfolio wegzudenken waren, bricht plötzlich ein, eine sinnvolle Planung scheint schwierig bis unmöglich.

Gleichzeitig steigt jedoch die Nachfrage nach Produkten, welche unser Zulieferer bisher nicht gefertigt hat, die er mit Anpassungen der Produktionsabläufe jedoch fertigen könnte.

Schritte zur kurzfristigen Umplanung

Nach einer ersten technischen Machbarkeitsanalyse mittels eines Prototypen zeigt sich in unserem Beispiel, dass man mit Anpassungen der Produktionsabläufe tatsächlich kurzfristig das Geschäftsmodell anpassen könnte und sich die im Vorfeld festgestellte Nachfrage nach mehrwegfähigem Mund-Nasen-Schutz bedienen ließe.

Idealerweise sind keine oder nur geringe Investitionen nötig, um die Herstellung eines neuen Produkts zu ermöglichen. In hoch spezialisierten Betrieben wie der Produktion von Kunststoffspritzgussteilen lässt es sich aber unter Umständen nicht vermeiden. Neben der Beschaffung oder Fertigung von Werkzeugen oder Formen für die Spritzgussmaschinen und der Prüfung der Rohstoffmaterialien, ist die flexible Produktionsplanung essentiell, die folgende Elemente umfasst:

Schichtplan

Die benötigte Personalzahl und Arbeitszeit muss ermittelt und auf Schichten verplant werden. Gegebenenfalls sollten Extraschichten geplant werden, um Mitarbeiter räumlich besser zu verteilen und damit zu schützen. Kündigt sich ein Krankheitsstand an, fallen möglicherweise Schichten weg und ganze Teams oder Bereiche müssen relokalisiert werden. Auch das sollte in der Planung berücksichtigt werden.

Grob- und Feinplanung der Prozesse

Produktionsabläufe müssen auf das neue Produkt umgestellt und Arbeitsplätze und Maschinen entsprechend zugeordnet werden. Möglicherweise werden an anderen Stellen andere Mengen an Komponenten benötigt oder es müssen zur Bedarfsdeckung der Produktion weitere Zwischenlager oder Supermärkte eingerichtet und deren Befüllung sichergestellt werden.

Aufträge müssen mit Stücklisten versehen und Bedarfe ermittelt werden, die zunächst in die Grobplanung einfließen, um belastbare Grundlagen für die Feinplanung zu schaffen und in Konsequenz die Aufträge in der sinnvollsten Reihenfolge abarbeiten zu können und den Überblick zu behalten.

WHITEPAPER: Supply Chain Management - Was ein Planungstool können muss

Was bedeutet es eigentlich, gut zu planen und was muss die Software dafür können? In diesem Whitepaper zeigen wir Ihnen, was eine moderne Planungslösung leisten kann – und was Sie dementsprechend von ihr verlangen sollten, um das Maximum für sich herauszuholen. Die Basis sind zuverlässige Daten über die gesamte Supply Chain. Diese müssen möglichst in Echtzeit vorliegen und allen Beteiligten zur Verfügung stehen. Praktische Funktionen wie Dashboards, Alerts und Kooperationstools schaffen es, Ihre Planung auf ein komplett neues Level zu heben.

Mitarbeiter

Um langwierige Schulungen zu vermeiden und eine reibungslose Umstellung zu ermöglichen, sollten den Werkern direkt am Arbeitsplatz wichtige Unterlagen wie Explosionszeichnungen, Kommissionierlisten und Arbeitsanweisungen zur Verfügung gestellt werden.

Vorbereitung und flexibles Reagieren

Nicht nur in der Produktionsumstellung aufgrund von Krisensituationen, sondern auch im Normalbetrieb muss man bei der Produktionsplanung viele Nebenbedingungen berücksichtigen und flexibel auf Änderungen agieren können. Folgende Maßnahmen sind demnach immer sinnvoll:

  • Rüstzeiten sollten bei Maschinen zeitlich versetzt geplant werden, wenn es nur eine Handvoll Einrichter gibt.
  • Schichten sollten ausgelastet werden, um keine personellen Ressourcen zu verschwenden.
  • Gegebenenfalls macht auch eine saisonale Anpassung von selbigen Sinn.
  • Vielleicht kann man auch überlegen, Produkte in Zeiten höherer oder niedriger Nachfrage auf anderen Produktionslinien zu fertigen, um Kapazitäten optimal zu nutzen.

Vernetzung und Digitalisierung sind zentral für die nötige Flexibilität

Für die frühzeitige Anpassung der Planung ist man auf Daten aus verschiedenen Datentöpfen angewiesen – Aufträge, Personalplanung, Schichtplanung, Maschinenkataster und Werkzeugverwaltung.

In den letzten Jahren sind die Vernetzung von Maschinen und die Digitalisierung von Geschäftsprozessen immer mehr in den Fokus gerückt. Damit lassen sich planerische und produzierende Prozesse anreichern und nicht nur durch die spätere Datenanalyse optimieren. Zudem erlaubt eine vernetzte Fertigung das kontaktlose und digitale Sammeln von Informationen und Erfassen von Rückmeldungen, was sich aktuell als besonderer Vorteil herausstellt.

Die Verbindung dieser Datentöpfe spart bereits bei der Planung Zeit und Aufwand und reduziert spätere Änderungen mit vermeidbaren Konsequenzen, falls Maschinen nicht wie geplant verfügbar sind.

Ohne Frage, COVID-19 ist eine Sondersituation, die sowohl die Gesellschaft als auch die Wirtschaft vor immense Herausforderungen stellt. Doch auch nach der Pandemie wird Agilität und Flexibilität zunehmend zu einem entscheidenden Erfolgsfaktor. Vor allem produzierende Unternehmen sollten sich fragen, ob sie die Fähigkeit besitzen, in einem turbulenten Geschäftsumfeld rechtzeitig auf Änderungen zu reagieren und sowohl Prozesse als auch das Geschäftsmodell anpassen zu können, um unbeschadet und im besten Fall sogar gestärkt aus künftigen Krisen hervorzugehen.

Whitepaper: Beispiele für die erfolgreiche Digitalisierung der Produktion

Wer wettbewerbsfähig bleiben will, muss seine Prozesse digitalisieren: Die Kundenwünsche werden immer anspruchsvoller und sind mit herkömmlichen analogen Prozessen nicht zu erfüllen. Kunden fordern heute immer individuellere Produkte und schnelle, flexible, transparente Prozesse. In diesem Dokument finden Sie praxisnahe Beispiele, wie die Digitalisierung in den Bereichen Strategie, Planung, Produktion, Auslieferung, Transport und Regulierung zu mehr Wertschöpfung im Unternehmen führt.

Keine Updates mehr verpassen: 1
© Supachai Boonsomchuer - stock.adobe.com

Zurück