Was kostet ein Warehouse Management System (WMS)?

Die Kostenbestandteile eines WMS/LVS-Projekts

Was sind die Kostenbestandteile eines WMS/LVS-Projekts?
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Ein Lagerverwaltungssystem zu implementieren ist ein komplexes Projekt mit vielen Aspekten, die Sie allesamt im Budget berücksichtigen sollten. Welche Aspekte sind das im Einzelnen?

Viele ERP-Systeme haben stabile und robuste Lagerlogistik- und Materialflussfunktionen im Bauch und in vielen Anwendungsfällen ist das auch vollkommen ausreichend. Wir Logistiker aber lernen eine vom ERP unabhängige Lagerlogistiklösung zu schätzen, wenn Logistik als wertschöpfender Faktor im Unternehmen flexibel und frei skalieren muss oder soll. Wir wissen, was es bedeutet, wenn sich 0,35 Sekunden von 1,15 Sekunden im Pick einsparen lassen und können schnell erklären, wieso z.B. eine negative Kommissionierung oder ein Multi-Order-Pick echte Performance bringt und was es bedeutet, wenn wir die Lagerumschlagshäufigkeit steigern können oder in Lagerautomatik investieren wollen.

Wenn also erste Überlegungen anstehen, ein Lagerverwaltungssystem (LVS) oder ein Warehouse Management System (WMS) anzuschaffen, dann taucht sofort die Frage auf: Was kostet ein WMS oder LVS?

Die Antwort kann beliebig komplex ausfallen, denn kein LVS- oder WMS-Projekt gleicht dem anderen. Eine gute, pragmatische Lösung für ein manuelles Lager ist vielleicht schon mit einem überschaubaren Budget von 50.000 Euro realisierbar, aber zwei Nullen mehr vor dem Komma sind schnell erreicht, wenn es in hochkomplexe Lagersystematiken hineingeht. Nicht selten erfolgt die Einführung eines WMS/LVS zum ersten Mal oder das bestehende ist schon zehn oder mehr Jahre alt. Erfahrungswerte im Unternehmen sind daher selten und das Projekt ist je nach Umfang sehr anspruchsvoll. Daher konzentrieren wir uns in diesem Beitrag auf die Kernthemen, legen soweit es geht Budgetanteile dafür fest und gehen in klassischen Projektstufen vor.

Vorbereitung und Organisation

Ob Sie mit namhaften Beratungshäusern, Logistikplanern oder Beratern zusammenarbeiten wollen oder mit eigenen Ressourcen starten, müssen Sie früh entscheiden. Die Vorbereitung ist essentiell für den Projekterfolg und hängt stark von Ihren Projektzielen und dem Projektumfang ab. Investieren Sie also in diese Phase. Je nach Größenordnung des Gesamtvolumens können das fünf bis zehn Prozent des Gesamtbudgets der IT sein. Sicherlich ist es für den eleganten, schnellen Einstieg in ein eigenständiges WMS/LVS nicht jedermanns Sache, sofort Berater ins Haus zu holen. Wir bieten daher dezidierte Workshops für Lagerorganisation und Materialfluss an. Wir hospitieren in der Logistik und erfassen dabei auch die liebgewonnenen, aber hinderlichen Schattenprozesse. Es werden alle Schnittstellen erfasst und wir führen erste Gespräche mit Partnern wie z.B. Automatiklieferanten. In dieser Phase muss viel Erfahrung und Know-how an den Tisch. Beachten Sie auch die vor- und nachgelagerten Prozesse, die mit der Logistik in Verbindung stehen. Genau deswegen schauen Sie sich auch intern um: Wer sollen ihre Key-User sein, die das Projekt voranbringen? Dazu später mehr.

Infrastruktur und Hardware

WLAN-Ausleuchtung, Netzwerkverkabelung, Scanner, Drucker, mobile Geräte, Bodenlasten, Neubau, Umbau, Anbau, Umzug, Retrofit, Ergänzung der Anlage oder Erweiterung: Auch dieser intensive Investitionsblock gehört in den Bereich der Materialfluss- und Lagerorganisation. Beachten Sie dabei vor allem auch ergonomische Aspekte, legen Sie also Wert auf gute Arbeitsplätze, z.B. Hubtische, und binden Sie ihre Lagermitarbeiter in die Auswahl der Geräte, mit denen sie täglich arbeiten, mit ein. Auch hier sollten Sie auf die Erfahrung und das Know-how etablierter Partner zurückgreifen. Wer dafür ein starkes Partnernetzwerk in der Hinterhand hat, vermeidet Fehlinvestitionen. Bedenken Sie, dass Sie dabei Laufzeiten von fünf und mehr Jahren realisieren sollten. Stellen Sie entsprechende Rückstellungen für Ersatz, Support und Ergänzung ein. Von der IT-Seite her gilt es jetzt, erste Architekturentscheidungen zu treffen, die den Materialfluss und die Lagerorganisation betreffen. Für manuelle Lager, die nun auf belegloses Arbeiten umstellen, sollte es selbstverständlich sein, dass die mobile Steuerung im Lagerverwaltungssystem (WMS/LVS) integriert ist. Abgesehen von den Geräteeigenschaften müssen die Dialoge zu den ergonomischen Anforderungen und Prozessen passen. Hier ist Flexibilität gefragt und es sollte ein Anteil für die individuelle Anpassung budgetiert werden. Mehr als zehn Prozent wären aber ungesund. Anders sieht es aus, wenn auch Automatik mit ins Spiel kommt.

Automatik und die Materialflusssteuerung

Robotik, Künstliche Intelligenz, Automatische Kleinteilelager, Hochregallager, Fahrerlose Transportfahrzeuge, Sorter, Umreifer, Etikettierer, Pick-by-Vision…: Die Auswahl und damit die die Versuchung bei Automatisierungsplänen ist groß. Oft genug muss ich in Gesprächen für Ernüchterung sorgen. Nicht jede Automatik ist richtig und gut, oder die bestehende Lagersoftware reicht nicht aus. Die Devise lautet auch hier: flexibel bleiben! Es gibt Lösungen die mitwachsen können, z.B. das AutoStore-System. Wenn Sie aber in neue Automatik investieren, ist die vollständige Integration in die Lagerorganisation und in den Materialfluss, also in Ihr WMS/LVS, essentiell. Jeder Kompromiss kostet bares Geld und Sie sollten eine Neuanschaffung in Betracht ziehen. Die Frage der Systemarchitektur ihres WMS/LVS bekommt nun eine noch größere Bedeutung. Denn nun ist eine Materialflusssteuerung (MFS) wichtig, die die gesamte Automatik im Lager mit Ihren Mitarbeitern orchestriert. Das MFS kommt entweder aus dem WMS/LVS oder der Automatiklieferant bietet ein System mit Schnittstelle an Ihr WMS/LVS an. Für welche Lösung Sie sich entscheiden, unterliegt Ihren individuellen Anforderungen und den Fähigkeiten Ihrer Partner. Beachten Sie hier vor allem das Wartungs- und Betreuungsmodell für die Betriebskostenberechnung. Fehler in der Automatik werden meist über das WMS/LVS gemeldet. Kann der WMS-Dienstleister dafür einen Support bieten, haben Sie nur eine Kontaktschnittstelle im laufenden Betrieb, was von Vorteil ist. Wollen Sie diesen Schritt gehen, ist also die gesamte Investitionsberechnung wichtig. Auch dort helfen wir mit unabhängigem Know-how und Partnern. Je nach Komplexität kann hier der Budgetanteil bei 20 bis 70 Prozent für ein MFS liegen. Achten Sie darauf, dass auch die MFS durch ein Wartungsmodell technisch up-to-date gehalten wird, idealerweise im Systemverbund mit dem WMS/LVS.

WHITEPAPER: Welche Funktionen sollte ein WMS haben?

Mit einem Warehouse Management-Systeme (WMS) sind Sie in der Lage, die Prozesse in Ihrem Lager digital abzubilden und zu überwachen. Das Angebot reicht von gewaltigen Standardsystemen über komplexe individuell entwickelte Lösungen bis hin zu kleineren Erweiterungen zum ERP-System. Wer sich mit Investitionen in sein bestehendes oder ein neues WMS beschäftigt, steht vor der schwierigen Aufgabe, genaue Anforderungen an den Funktionsumfang zu definieren. Der Mehrwert eines WMS liegt oft in passgenauen Funktionen, die in der Lage sind, Prozesse möglichst exakt und individuell abzubilden. Es lohnt sich, das Auswahlverfahren strategisch anzugehen. Dieses Whitepaper gibt Ihnen einen detaillierten Überblick, worauf Sie hinsichtlich der Funktionen eines WMS besonderen Wert legen sollten.

Lizenzmodelle

Kommen wir zum Kern, zum WMS oder LVS. Das ist nicht nur eine begriffliche Unterscheidung, auch fachlich liegen Welten zwischen den beiden. Für Anschaffung und Betrieb gilt aber für beide Systematiken: Das Lizenzmodell muss zu Ihnen passen, nicht umgekehrt. Lizenzmodelle, die nach Mengenparametern gegebenenfalls sogar jährlich nachlizenzieren, sind für diejenigen Produzenten richtig, bei denen keine großen Mengenschwankungen vorliegen, die aber nivellierte Prozesse haben wollen. Solche userabhängigen Modelle sind ungünstig, wenn Sie saisonal schwankenden Personalbedarf haben. Unternehmen, die starke Wachstumszahlen aufweisen oder in Schwellenmärkten aktiv sind, benötigen komplett andere Modelle. Wir empfehlen ein individuell auf Sie zugeschnittenes Lizenzmodell, das zum Beispiel Einmalgebühren für den Standort, Subskriptionspreise, die sich über die Laufzeit strecken lassen und auch weitere Möglichkeiten beinhaltet. Gerade dann, wenn Sie sich die Flexibilität und Erweiterungsfähigkeit des WMS/LVS erhalten wollen, ist auch ein intensiver Blick in das Release-Management, den Release-Plan, den Updateservice und die Roadmap der Systemweiterentwicklung wichtig. Haken Sie dort intensiv nach und lassen Sie sich Systemursprung und Codeaktualität erklären. Gerade im Zusammenspiel mit der Lagerautomatik muss dieses IT-System länger als manche Ehe halten. Deswegen gehören in dieser Phase die wichtigsten Entscheider mit an den Tisch. Achten sie auf ein gesundes Verhältnis zwischen Lizenz- und Projektkosten. Ist der Lizenzkostenanteil höher als 50 Prozent, dann haben Sie wahrscheinlich in das Regal mit vorgefertigten, für Sie nicht optimal passenden Produkten gegriffen und sollten die Lizenzwartungsgebühren genauer beleuchten. Darauf gehen wir in diesem Beitrag später ein. Ist der Anteil geringer, haben sie gute Chancen auf ein System, das Sie individuell auf Ihren Bedarf anpassen können.

Projektkosten: Agil vs. Wasserfall

Unter meinen Kollegen aus der Systementwicklung entbrennt regelmäßig die Diskussion, was nun besser ist: Projektmethode „Wasserfall“, also Schritt für Schritt, Stufe für Stufe oder „Agil“, also schnell, flexibel und intensiv in der Zusammenarbeit mit dem Anwender. Beide Systematiken haben ihren Reiz. Aber ebenso wie beim Lizenzmodell gilt auch hier: Das Modell muss zu Ihnen passen. Der verlässliche Start ist oft ein Pflichtenheft. Aber eine Work-Breakdown-Structure (WBS), die Arbeitspakete listet, terminiert und bewertet, kann genauso gut sein. Wer ein flexibles WMS/LVS sucht, sollte sich also nicht unbedingt an starren Projektmodellen orientieren. Wer klare Vorstellungen hat und eine ebenso fixe Logistik, der liegt mit dem Wasserfallmodell richtig. Je genauer Sie vorab ihre Anforderungen an das WMS/LVS definiert haben, umso eher werden Sie auch einen Preis ohne Risikozuschlag erwarten können. Für alle aber, die ihre Logistikprozesse auch in der Umsetzung aktiv mitgestalten wollen, gilt mein Rat: Agilität bringt mehr fürs Geld als Sie vielleicht denken. Denn wenn der WMS-Partner seine Erfahrungen mit an den Tisch bringt, profitieren Sie davon. Wir gehen daher gern den Weg eines gesunden Mix aus beiden Welten. Warum? Es bindet Sie als Logistiker in die wichtigsten Entwicklungsschritte ein und sichert Sie im Budget und Zeitplan ab. Planen Sie in Baustufen, wenn die Zeitplanung es möglich oder notwendig macht. Planen Sie einen Budget- und Zeitpuffer in ein, denn im Projektverlauf können sich Änderungen ergeben. Eine starke und breite Basis für die Lösung ist daher wichtig. Kommen wir daher zum nächsten Punkt.

Produkt oder individuelle Lösung

Ein WMS/LVS muss zu Ihnen passen oder Sie passen sich an. Die Entscheidung für ein Produkt oder eine individuelle Lösung beginnt bereits mit der Frage nach dem Einsatzzweck und -ziel des WMS-Budgets. Entscheiden Sie sich für ein Produkt, achten Sie darauf, wie viel Standard Ihren Anforderungen entgegenkommt und welche Anpassungen in welcher Tiefe nötig sind. Sie kennen sicherlich die klassischen Ausschreibungstabellen, die für die Funktionsbewertung mit dafür ausgewiesenem Aufwand erstellt werden. Damit können Sie bei der Produktauswahl hervorragend Vergleichswerte finden, viele Beratungshäuser haben sich auf solche Auswahlmethoden spezialisiert. Vergessen Sie dieses Modell, wenn sie eine Lösung benötigen, die sich ganz auf Sie einstellt und Sie auch langfristig absichert mit einem auf Sie zugeschnittenen Release-Management. Dort helfen ein gründlicher Auswahlprozess durch fachlich-technische Interviews, Workshops und das Abprüfen der Referenzen. Haben Sie eine Produktauswahl angestoßen und Sie stellen fest, dass die absoluten Budgets für die reine Anpassung an Ihre Wünsche über 50 Prozent liegen, sollten Sie sich nach anderen Lösungen umschauen. Denn Sie fahren über die gesamte Betriebs-/Einsatzdauer betrachtet dann mit einer Lösung besser, die das Budget konkret für Sie und nicht für das Produkt verwendet. Binden Sie auch in diesen Prozess Ihr wertvollstes Kapital mit ein: Ihre Mitarbeiter.

WHITEPAPER: Wie Sie die Basis für eine optimierte Supply Chain schaffen

Was passiert, wenn äußere Faktoren auf Ihre Lieferkette einwirken? Wenn sich politische Unruhen, Unwetter oder auch die Berichterstattung in den sozialen Medien auf die Nachfrage nach Ihren Produkten auswirken? Können Sie flexibel agieren, um eine plötzliche Nachfragesteigerung zu erfüllen? Unser Whitepaper erklärt, wie Sie die Voraussetzung für eine optimierte Supply Chain schaffen.

Team und Ressourcen

Wie zuvor bereits erwähnt, ist es essentiell, dass Sie sich und Ihren Mitarbeitern für dieses Projekt Freiräume schaffen. Verteilen Sie Aufgaben, legen Sie eine klare Entscheidungsstruktur fest und bestimmen Sie einen Projektleiter, der die Informationen zusammenführt und Entscheidungen trifft. Wenn Sie externe Projektleiter einsetzen wollen, achten Sie darauf, dass Sie nicht mit Methodiken überhäuft werden, die Sicherheit vorgaukeln. Sie dürfen und können sich dadurch nicht aus der Verantwortung ziehen lassen. Es ist Ihr System. Planen Sie schlank, effektiv in der Anzahl der Ressourcen, aber reichlich hinsichtlich der Zeit. Ein Kernteam von drei bis fünf Personen für ein mittelgroßes Projekt sollte in der Anfangsphase 50 Prozent der Arbeitszeit, in der Implementierungszeit 20 bis 30 Prozent – bei voll agilen Projekten sogar 50 Prozent – für diese Phase einplanen. Agile Projekte leben von schnellen Hochlaufkurven, kurzen Zyklen und Entwicklungszeiten. Agile Methoden können, auch wenn die Mitarbeiter dadurch zeitintensiver gebunden sind, trotzdem von Vorteil sein. Für die Inbetriebnahme gelten besondere Regeln und Budgets. Dazu im entsprechenden Abschnitt mehr. Vor der Inbetriebnahme gibt es aber einen weiteren Budgetblock, der nicht wichtig genug eingeschätzt werden kann: das Testen.

Testen, testen, testen

Dieser Block wird gern übersehen, mal nebenbei erledigt oder man glaubt an ein gutes Claim-Management. Falsch. Das gemeinsame Testen der Anwendung ist essentiell für den Projekterfolg. Mit den ersten Bereitstellungen von Softwarebestandteilen oder Modulen beginnt das Prüfen auf Herz und Nieren. Lassen Sie sich das nicht aus der Hand nehmen. Es ist Ihre Verantwortung und Ihr Erfolg, wenn Sie Fehler finden. Erstellen Sie konkrete Testpläne für Funktionsumfang und Probeläufe. 20 bis 40 Prozent der Zeit, die Sie für Ihr Team insgesamt eingeplant haben, sollten Sie je nach Art und Komplexität des Projekts dafür reservieren. Planen Sie also über den gesamten Projektverlauf Testressourcen ein und erhöhen Sie die Ressourcen entsprechend, wenn der Integrationstest ansteht, indem Sie nun weitere Lagermitarbeiter einbeziehen. Für diese wiederkehrenden Phasen der Tests im Projektverlauf haben Sie zusätzlich ein Change-Budget bereitgestellt. Je nach Projektvolumen und -komplexität können das bis zu 10 Prozent und mehr sein. Wenn Sie in den Integrationstest einlaufen, kann an den beteiligten Drittsystemen oder Schnittstellen oder auch im Funktionsumfang des WMS/LVS eine Anpassung notwendig werden, die alle bisher übersehen haben. Auch dafür ist das Change-Budget wichtig.

Inbetriebnahme

Ihr Kernteam hat gute Arbeit geleistet. Sie haben angefangen, Ihre Mitarbeiter auf das neue System vorzubereiten und haben weitere Key-User, die als erste Ansprechpartner im Betrieb fungieren werden, ausgebildet. Die Integrationstests sind erfolgreich verlaufen, die Projektleiter haben sich gegenseitig geprüft und das System für die Inbetriebnahme freigegeben. Ob Sie das System nun per Big Bang oder stufenweise einführen, hängt stark von Ihrem Betriebsmodell und der Lagerorganisation ab – aber das haben Sie idealerweise bereits in der Vorbereitung festgelegt. Gut 75 bis 85 Prozent Ihres Budgets sind bisher verbraucht, bei Retrofit-Projekten mit Umstellung der Technik und Software im laufenden Betrieb sind gegebenenfalls erst 50 bis 60 Prozent des Budgets in die Umsetzung des WMS/LVS geflossen. Die Inbetriebnahme ist für alle Beteiligten mit hoher Aufmerksamkeit und Konzentration und mit einer entsprechenden Belastung und Erfolgsdruck verbunden: Denn sie muss erfolgreich sein und deswegen ist die Budgetplanung an dieser Stelle großzügig auszulegen. Schieben Sie Funktionalitäten, die für den Betriebsstart nicht essentiell sind, in nachfolgende Baustufen und budgetieren Sie dies entsprechend in den laufenden Betrieb, aber sparen Sie nicht am Budget der Inbetriebnahme. Wir begleiten Inbetriebnahmen gern mit unserem Supportteam vor Ort. Dass wir Inbetriebnahmen auch remote, also ohne vor Ort zu sein, durchführen können, haben wir bewiesen, es sollte aber die Ausnahme bleiben. Denn Schulung und Begleitung beim Go-Live gehen so Hand in Hand in den anschließenden Regelbetrieb über. Das unterstützt auch das Kernteam und die Key-User. Stellen Sie Ihr Kernteam für diese Phase vom Tagesgeschäft komplett frei und auch alle Lagerarbeiter sollten nun komplett geschult und eingewiesen sein. Suchen Sie eine Phase, in der Ihr Geschäftsverlauf ruhig ist und Sie betriebsfreie Zeiten haben, oder führen sie abschnittsweise ein. Planen Sie am besten auch ein Extra für die Lohntüte. Eine spendierte Pizza und kühle Getränke für alle kosten nicht die Welt und tun in dieser arbeitsintensiven Zeit besonders gut.

Wartung und Support

Wartungs- und Supportkosten orientieren sich am Umfang des WMS-Projekts und den gewünschten Supportzeiten, die sich an Ihren Betriebszeiten orientieren. Ein auf Sie zugeschnittenes Wartungs- und Supportmodell ist wichtig. Gute Key-User übernehmen den 1st Level und sind bis in den 2nd Level hinein aktiv. Das hilft, Betriebskosten zu sparen und den Supportzeitraum auf Kernzeiten zu reduzieren. Als Faustregel gilt: Rund zehn Prozent des Software-Wertes sollten Sie für Wartung und Support pro Wirtschaftsjahr budgetieren, wenn Sie sich auf die Kernzeiten konzentrieren können. Über die Kernzeiten hinaus kann je nach Anforderung an Reaktionsgeschwindigkeit, Lösungsgeschwindigkeit und Zugriffmöglichkeiten der Budgetrahmen größer werden. Achten Sie darauf, welche Supportstrukturen Sie vorfinden. Ein von mehreren Mitarbeitern geteiltes Handy ist nicht ausreichend. Ihre Software als Backup mit oder ohne Betriebsdaten, Infrastrukturen wie Ticketsysteme, fest zugewiesene Rufnummern, jederzeitiger Remotezugriff auf Ihr System und schnelle Zugriffsmöglichkeiten auf die Kernentwickler, Systemcodeverwaltungen und vor allem auf Ihr System geschulte und trainierte, Ihnen zugewiesene Mitarbeiter im Support sind das Minimum für ein betriebskritisches System wie ein WMS/LVS. Verwenden Sie als Vergleichswert die Anzahl an IT-Mitarbeitern, die Sie für diese Leistungen selbst benötigen würden und vergleichen Sie dann die Supportkosten ihres WMS/LVS-Dienstleisters damit. Ein guter Support ist die Lebensversicherung für ihr WMS/LVS.

Weiterentwicklung

Bei der Betriebsdauer eines WMS/LVS ist die Investitionssicherheit mit der Zukunftssicherheit des Systems verbunden. Generelle Weiterentwicklungen am System und das ständige Aktualisieren des Systemcodes sind essentiell und werden im Regelfall über Lizenzwartungsgebühren abgedeckt. Die Bandbreite ist dabei groß und hängt stark davon ab, welches Lizenzmodell Sie gewählt haben. So können z.B. bei Subskriptionspreisen die Weiterentwicklungen inkludiert sein. Achten Sie hier genau darauf, ob Sie gegebenenfalls gezwungen werden, ungewollte Releasewechsel mitzugehen. Bei der Laufzeit des Systems kann das ein erheblicher Kostenfaktor werden. Als ideal erachten wir Modelle, die Sie technisch über den gesamten Lebenszyklus absichern, gesetzlich vorgeschriebene Updates bereitstellen und Ihnen die Möglichkeit bieten, mit Ihrem Supportbetreuer einen an Ihre Bedürfnisse angepassten Release-Plan zu realisieren. So können Sie Ihr WMS/LVS Ihren Geschäftsentwicklungen und Bedürfnissen anpassen, ohne technisch früh zu veralten. Sie ersparen es sich, Zusatzsysteme anzuschaffen oder gar einen Systemwechsel vornehmen zu müssen.

Die Dauer des Systemeinsatzes und das Verhältnis der Betriebskosten zum Projektpreis

Rechnen Sie die Kosten über die geplante Laufzeit oder über die geplante Einsatzdauer der Lagerautomatik. Kalkulieren Sie dabei mit ein, dass ein gutes Release-Management über die Einsatzdauer 10 bis 20 Prozent an Kosten einspart, durch gesteigerte Performance und die freiere Skalierbarkeit sowie Verbesserungseffekte durch Erweiterungen oder Anpassungen. Das heißt, Sie sollten jährliche Effizienzsteigerungen einplanen und je nach Lagertyp und -komplexität nach drei, fünf oder zehn Jahren die Anschaffungskosten amortisiert haben. Sie erkennen: Sie gewinnen Performance und sichern somit ihr Wachstum ab, zusätzlich amortisieren Sie die Projektkosten durch die laufende Verbesserung der Lagerlogistik. Ich empfehle bei der Buchung eines hochwertigen Wartungs- und Supportservices, dies immer mitzuberücksichtigen. Denn es gelingt mit einem auf Sie zugeschnittenen Release-Management schneller, wenn Sie viel Wert auf Ihre individuellen Geschäftsprozesse und die Entwicklung weiterer Geschäftsfelder legen. Ihr Geschäftsmodell entscheidet also mit über den Erfolg. Bei der Dauer des Einsatzes ist somit Flexibilität und Erweiterbarkeit des Systems für Sie sicherlich ein sehr wichtiges Auswahlkriterium.

Finanzierung

Wer ein WMS/LVS anschafft, investiert konkret in das Unternehmen und steigert damit dessen Wert. Deswegen gibt es neben der gut informierten Hausbank auch Leasinggesellschaften, die interessante Finanzierungsmodelle anbieten. Dieses Thema in die Vorbereitung mit einzubeziehen empfehlen wir gern und verfügen auch hier über ein valides Partnernetz.

Ein offenes Wort und ein Angebot zum Schluss

Nur selten wird bei einem IT-Projekt in der Lagerverwaltung der Implementierungspartner im laufenden Projekt getauscht. Der Geschäftsprozess ist kritisch, ein Abbruch oder Wechsel ist nur sehr schwer realisierbar. In Projekten dieser Art gibt es immer wieder auch kritische Phasen, und das Projekt zu einem guten Ende zu führen ist dann das Minimum, an dem beide Partner interessiert sind. Deswegen gibt es ein ganz wichtiges Entscheidungskriterium, das sich nicht in ein Budget fassen lässt: Vertrauen. Auch wenn die Lösung noch so gut ist, Sie aber kein Vertrauen in die handelnden Personen finden können, sollten Sie weiter nach einem geeigneten Partner suchen. Ihren Fokus sollten Sie dabei immer im Auge behalten: Sie haben Ihre Logistik genau so gestaltet, wie sie exakt Ihren individuellen Geschäftsbedürfnissen entspricht, denn das ist der Mehrwert, den Sie für Ihr Unternehmen und Ihre Kunden erzielen. Sie sind in der Verantwortung, weil nur Sie es können. Seien Sie offen für das, was der Implementierungspartner Ihres Vertrauens an Vorschlägen mitbringt und bleiben Sie während des gesamten Projekts offen dafür.

Vielleicht vermissen Sie nun am Ende dieses Beitrages eine konkrete Zahl: Was kostet den nun ein WMS/LVS? Aber Sie werden es bemerkt haben: Diese Frage ist nicht pauschal zu beantworten. Daher endet dieser Beitrag mit einem Angebot an Sie: Wenn sie konkrete Zahlen suchen, dann kontaktieren Sie mich oder meine Kolleginnen und Kollegen, wir beantworten Ihnen die Ihrer individuellen Situation entsprechenden Fragen. Sie bekommen umgehend eine Antwort, die Sie weiterbringt.

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Die häufigsten Fragen zum Thema "Was kostet ein WMS?"

Was kostet ein WMS?

Kein WMS-Projekt gleicht dem anderen. Eine Lösung für ein manuelles Lager ist vielleicht schon mit rund 50.000 Euro realisierbar, bei hochkomplexen Lagern kann auch ein siebenstelliger Betrag anfallen. Wenn durch die Modernisierung aber die Effizienz erhöht wird, amortisiert sich die Investition schnell.

Was sind die Kostenbestandteile eines WMS?

Die Aufteilung der Gesamtkosten hängt von vielen Faktoren ab, etwa von der gewählten Projektmethode (Wasserfall vs. Agil). Die Gesamtkosten teilen sich auf die Blöcke Vorbereitung und Organisation, Infrastruktur und Hardware, Automatik und Materialflusssteuerung, Lizenzkosten, Projektkosten, gewähltes WMS (Produkt oder individuelle Entwicklung), Team und Ressourcen, Testen, Inbetriebnahme, Wartung und Support, Weiterentwicklung.

Wie steuere ich die Kosten von Anfang an?

Die Vorbereitung ist essentiell für den Projekterfolg und hängt stark von Ihren Projektzielen und dem Projektumfang ab. Schon ganz zu Beginn sollten Sie zwischen 5 und 10 Prozent des Gesamtvolumens der IT für diese grundlegenden Überlegungen einplanen, um das Projekt auf die richtige Spur zu setzen.

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