So messen produzierende Unternehmen ihren digitalen Reifegrad

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In diesem Interview erläutert Prof. Dr. Alexander Pflaum, Leiter der Fraunhofer Arbeitsgruppe SCS, warum er mit seinem Team die digitale Reifegradanalyse entwickelt hat, wer davon besonders profitiert und wie die Untersuchung abläuft. Produzierende Unternehmen erhalten durch diese Analyse ganz zu Beginn von Digitalisierungsmaßnahmen eine Einschätzung ihrer individuellen digitalen Reife und können auf Basis der Ergebnisse die richtigen Schritte für eine erfolgreiche digitale Transformation einleiten. Im Rahmen einer Kooperation bietet die SALT Solutions diese digitale Reifegradmessung ihren Kunden an.

Hilfestellung: Können Sie von der digitalen Reifegradmessung profitieren?

Digitalisierung hat unendlich viele Facetten und jedes Unternehmen ist mit anderen Anforderungen konfrontiert. Welche Digitalisierungsmaßnahmen sind in dieser unübersichtlichen Situation für Ihr Unternehmen genau die richtigen? Welche Stellschrauben sollten Sie drehen, um von den Maßnahmen zu profitieren? Um das sicherzustellen ist es wichtig, dass Sie den digitalen Status quo Ihres Unternehmens und Ihre individuellen Gegebenheiten und Bedarfe kennenlernen. Hier kommt die digitale Reifegradmessung ins Spiel, um Transparenz über den digitalen Ausgangszustand zu schaffen. Auf Basis der Ergebnisse leiten wir konkrete, individuelle Ansatzpunkte für die nächsten Schritte im Digitalisierungsprozess ab.



Video-Transkription


Sehr geehrter Herr Professor Pflaum, was hat den Ausschlag dafür gegeben, dass Sie die digitale Reifegradanalyse entwickelt haben?

Es ist ja so, dass mit zunehmendem Einsatz moderner Informations- und Kommunikationstechnologien sich Unternehmen wirklich grundlegend verändern können. Unternehmen brauchen in dem Zusammenhang eine Vision. Damit man sich in die Zukunft bewegen kann, muss man grundsätzlich wissen, wo man sich befindet. Vor diesem Hintergrund haben wir über ein Reifegradmodell nachgedacht. Wir haben keines gefunden, das auf der einen Seite wissenschaftlich fundiert entwickelt worden wäre und auf der anderen Seite wirklich praktikabel ist. Vor diesem Hintergrund haben wir uns entschieden ein eigenes zu entwickeln – im Rahmen einer Dissertation. Das haben wir dann soweit abgespeckt, dass es ein gutes Instrument, ein gutes Tool ist, mit dem wir direkt auf die Unternehmen zugehen können. Und so bringen wir es auch zum Einsatz.

Wie läuft die digitale Reifegradanalyse ab?

Es ist kein Quick-Check. Es ist ein bisschen aufwendiger als das, was man im Internet lesen kann. Wir bereiten unsere Einschätzungen, unsere Untersuchungen vor. Das heißt wir gehen auf Unternehmen zu und finden die richtigen Ansprechpartner in den Unternehmen. Wir erarbeiten strukturierte Interviewleitfäden. Wir gehen dann in die Unternehmen und führen mit den fünf bis sechs wichtigsten Stakeholdern Interviews in einer Länge von 60 bis 120 Minuten durch. Diese Informationen werden transkribiert, wir werten diese Infos mit Werkzeugen aus der Wissenschaft strukturiert aus und können auf dieser Basis eine Einschätzung vornehmen, wo die Unternehmen stehen. Auf dieser Basis können wir dann auch Handlungsempfehlungen entwickeln und den Unternehmen einen guten Rat geben, was denn der nächste Schritt wäre, der zu tun ist.

Wieso ist eine Interviewstudie die richte Untersuchungsform?

Es gibt eine ganze Reihe von Beratungshäusern und Unternehmen, die mit sogenannten Quick-Checks arbeiten. Diese Quick-Checks sind aber angesichts der Komplexität der Veränderung in den Unternehmen nicht aussagekräftig. Man weiß zwar, wo man steht, aber nicht, was man tun muss. Wenn man mit Leuten aus der Praxis spricht, die sich tagtäglich mit der Implementierung von innovativen Informations- und Kommunikationstechnologien im eigenen Unternehmen auseinandersetzen, dann kann man sehr viel zwischen den Zeilen lesen. Das sind für uns eigentlich die wichtigen Dinge. Das, was zwischen den Zeilen gesagt wird. Das ist für dann die Basis für die Entwicklung vernünftiger Handlungsempfehlungen, die Unternehmen auf den richtigen Pfad führen.

Welchen Unternehmen empfehlen Sie, eine digitale Reifegradanalyse durchzuführen?

Grundsätzlich ist es das, was jedes Unternehmen tun muss. Egal, ob die Unternehmen nun groß sind oder klein, ob es ein Handwerksunternehmen ist oder ein produzierendes Unternehmen – das ist völlig egal. Die Digitalisierung verändert die Welt, verändert ganze Industrien, hebt Grenzen zwischen den Industrien auf. Unternehmen müssen im Grunde genommen ein Gefühl dafür entwickeln, wohin die Reise geht in den nächsten 15 bis 20 Jahren. Wenn sie das wissen, dann können sie sich überlegen, was die nächsten Schritte sind. Jedes Unternehmen muss dann wissen, wo es steht und muss dann prüfen, wie reif es ist im Zusammenhang mit der digitalen Transformation.

Was sollten Unternehmen vor der Beauftragung beachten? Sind Vorbereitungen nötig?

Im Grunde genommen sind vor dieser Reifegradeinschätzung keine Vorbereitungen erforderlich. Es gibt vielleicht eine Voraussetzung, auf die ich an dieser Stelle hinweisen möchte. Unternehmen müssen schon erkannt haben, dass das Thema Digitalisierung wichtig ist. Das heißt, dass die Unternehmensleitung dahinterstehen muss. Wenn das der Fall ist, dann ist da genug Backing da und dann können wir in die Unternehmen gehen und die Mitarbeiter und Stakeholder befragen. Und dann kommt auch etwas Vernünftiges dabei heraus.

Wenn Sie sich bereits durchgeführte Studien ansehen: Gibt es etwas, was Sie besonders überrascht hat?

Ein ganz wesentlicher Punkt ist, dass die Unternehmen im Rahmen der Gespräche auf ganz neue Ideen kommen. Da gibt es eine ganze Reihe von Aha-Effekten, die man vorher eben nicht gesehen hat. Weil man sich der Komplexität dieses Transformationsproblems eben nicht bewusstgeworden wäre. Ein zweiter interessanter Punkt ist: Man kann mit Hilfe solcher Reifegradbetrachtungen die nächste Ebene im Unternehmen, also unter der Leitungsebene, für das Thema sensibilisieren und abholen. Das ist ein ganz wichtiger Punkt. Diese Leute müssen im Boot sein, damit es funktioniert. Und das schaffen wir eben mit unseren Interviews und Diskussionen, die wir da führen.

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