SAP EWM für weltweite Distribution bei SICK AG

Orchestrierung von Technologie, Software und Prozessen im Lager

Panorama vom Innern des Distributionszentrums der SICK AG
Copyright Titelbild: © SICK AG

Im Rahmen der globalen Logistikstrategie setzt die SICK AG auf die Supply Chain Execution Plattform von SAP. Daher stand beim Bau eines neuen Distributionszentrums in Waldkirch außer Frage, dass SAP EWM alle logistischen Prozesse für über 48.000 Produkte steuern soll. Wie gelingt die Konzeption, Entwicklung und Integration einer SAP-basierten Software-Lösung noch bevor das erste Regal im Lager aufgestellt ist? Der Schlüssel zum Erfolg ist das Testing. Ein Bericht über die Entwicklung einer Software-Lösung parallel zum Bau: Von der Emulation während der Bauphase über die Funktions- und Stresstests bis zum ersten Volllasttag.

Auf einer Fläche von 11.000 Quadratmetern – das entspricht anderthalb Fußballfeldern – bereitet einer der weltweit führenden Hersteller von Sensoren und Sensorlösungen für industrielle Anwendungen seine Waren für den weltweiten Versand vor. Die SICK AG beliefert aus dem neuen Distributionszentrum künftig mehrere zigtausend Kunden in Europa sowie die über den Globus verteilten Tochtergesellschaften aus Waldkirch bei Freiburg.

Das Hochregallager bietet auf 66 mal 19 Metern in vier Gassen über 6.600 Stellplätze für Paletten, das Kleinteilelager auf 55 mal 34 Meter in acht Gassen sogar mehr als 117.000 Stellplätze für Behälter. Ein Shuttle-Lager mit 25,5 mal 7,7 Metern enthält weitere 7.200 Stellplätze, vor allem für Schnelldreher. Skaliert ausgebaut sind derzeit zwei Gassen im Hochregallager und vier Gassen im automatischen Kleinteilelager.

DYNAMIK UND PERFORMANCE

Dabei setzt die SICK AG auf Sensorik im Kontext von Industrie 4.0, höchste Performance und höchste Flexibilität in der Warenbewegung, um die Waren in höchstmöglicher Geschwindigkeit zu den vier Pick-it-Easy-Stationen sowie den sechs Klein- und vier Großpackplätzen zu bewegen – systemgestützt mit SAP EWM und der integrierten Materialflusssteuerung MFS. Diese hochdynamischen intralogistischen Prozesse, insbesondere im Shuttle-Lager mit Reaktionszeiten unter 100 Millisekunden, galt es im Projekt optimal zu orchestrieren.

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Integrierte Lagerlogistik mit SAP EWM - Durchgängiger Materialfluss entlang der Supply Chain

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Bei der Taktung und Priorisierung der Auftragseingänge sowie der Steuerung unterschiedlicher Automatikgewerke und manueller Lagerbereiche spielt SAP EWM seine Vorteile voll aus. So lassen sich Multiorder-Lieferungen aus unterschiedlichen Sektionen im Kommissionier- und Packbereich für den Versand zusammenführen.

„Mit vergleichbaren Projekten haben uns die Experten von SALT Solutions überzeugt, dieses herausfordernde Vorhaben mit ihnen umzusetzen. Das Ergebnis gibt uns Recht: Gemeinsam haben wir eine Lösung erarbeitet, die unsere SAP-Strategie unterstützt und uns ein Lager mit modernsten Standards zusichert“

Thomas Henkel Head of CD Corporate Customer Fulfillment bei der SICK AG

TESTING: PHASEN ZUM ERFOLG

Zwei Jahre dauerte es vom Kickoff-Meeting im Frühjahr 2014 bis zum Go-Live der Lösung im April 2016. In der ersten Phase ging es bei der Erstellung eines bis ins Detail definierten Pflichtenheftes, eine System- und Prozesslandschaft zu konzipieren. Während die Erfahrungen und Anforderungen der Projektverantwortlichen der SICK AG aufgenommen wurden, brachten die Experten von SALT Solutions vordefinierte Prozessschritte und praxisbewährte Software-Bausteine als Baseline ein.

Nachdem im Mai 2015 die ersten Funktionalitäten realisiert wurden, startete die wichtige Phase mit Einzeltests, Anpassungen und erneuten Tests. Auf die Funktionstests folgten die integrativen Einzelprozesstests und anschließend die ersten Stresstests. Stresstest bedeutet in diesem Fall die Überprüfung ineinandergreifender Prozesse. Doch wie finden diese Tests statt, wenn gerade einmal die Grundmauern des späteren Lagers zu sehen sind? Die Experten von SALT Solutions setzen Emulationen ein, mit denen sich die Prozesse im Lager realistisch simulieren lassen. Bugs oder fehlerbehaftete Abläufe lassen sich sofort identifizieren, so dass Software und Prozesse anschließend weiterentwickelt werden können.

Auf die Stresstests folgten Simulationen der Tageslast des Lagers. Nach dem erfolgreichen Abschluss dieser Phase mit allen Changes rückte der erste Volllasttag näher, bei dem im fertiggestellten Lager mit allen relevanten Mitarbeitern die Lösung möglichst realitätsnah auf Herz und Nieren geprüft wurde. So ist sukzessive eine Software-Lösung mit SAP EWM entstanden, die heute in der Lage ist, pro Tag über 2.500 Auslieferungen mit etwa 6.000 Positionen für den Versand vorzubereiten.

„Mit vergleichbaren Projekten haben uns die Experten von SALT Solutions überzeugt, dieses herausfordernde Vorhaben mit ihnen umzusetzen. Das Ergebnis gibt uns Recht: Gemeinsam haben wir eine Lösung erarbeitet, die unsere SAP-Strategie unterstützt und uns ein Lager mit modernsten Standards zusichert“, resümiert Thomas Henkel, Head of CD Corporate Customer Fulfillment bei der SICK AG die Zusammenarbeit.

Bei den Kommissionierdialogen haben die Experten von SALT Solutions mit modernsten Technologien den Fokus auf Usability gelegt, um so die Akzeptanz der Lösung zu steigern, Schulungsaufwände zu reduzieren und die Produktivität zu steigern. Auf Basis von SAP UI5 sind Dialoge mit höchster Ergonomie entstanden, die Interaktionen mit dem Subsystem in Echtzeit gewährleisten.

VOLLSTÄNDIG INTEGRIERTE ADD-ONS

Über den SAP-Standard hinaus hat SALT Solutions eigenentwickelte Erweiterungen in die Lösung eingebracht. Zum Beispiel mit dem vollständig in SAP integrierten SALT Add-On KEP-Monitor, das die Daten aller KEP-Dienstleister und Speditionen einbindet und somit den Etikettendruck im Packprozess automatisiert.

Dieses Projekt zeichnete sich durch Grund- und Meilensteine aus: Der Grundstein für das Lager wurde gelegt, als die ersten Meilensteine für die Software-Lösung längst in Arbeit waren. So ist eine Software-Lösung in einem agilen Projekt mit kontinuierlichen Testings parallel zum Bau gewachsen, die heute als stabiles Fundament für die weltweite Warendistribution ihre Leistungsfähigkeit beweist.

Copyright Titelbild: © SICK AG

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