Reicht SAP embedded EWM als Material­fluss­steuerung?

SAP embedded EWM
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Auch im SAP S/4HANA-Umfeld bietet das Extended Warehouse Management (EWM) weiterhin ein eingebettetes Materialflusssystem (MFS) an. Reicht dessen Performance für Ihren Bedarf aus oder sollten Sie SAP EWM wie gewohnt dezentral betreiben?

SAP EWM, egal ob embedded oder dezentral betrieben, enthält standardmäßig ein Materialflusssystem, SAP EWM MFS (auch „SAP EWM embedded“ genannt). Allerdings kann SAP EWM embedded in Sachen Performance und Antwortzeiten in bestimmten Bereichen nicht mit einem dezentralen EWM mithalten. Die Entscheidung, ob eine embedded Lösung sinnvoll ist, hängt davon ab, welche Leistung das Automatiksystem in Ihrem Lager erbringen muss. Bei der Entscheidung sollten Sie folgende Aspekte bedenken:

Welche Last muss Ihr MFS bewältigen?

Hier geht es um die Frage, wie viele Befehle Ihr IT-System mit der Fördertechnik bzw. dem Regalbediengerät austauschen muss, also im Grunde darum, wie komplex das System ist, das durch das MFS gesteuert wird. SAP EWM MFS kommuniziert über TPC/IP-Netzwerkprotokolle mit der speicherprogrammierbaren Steuerung (SPS), die wiederum für die Ansteuerung der Fördertechnik verantwortlich ist. Die Kommunikation einzelner Befehle erfolgt dabei über sogenannte Telegramme. Die Herausforderung besteht darin, auch mehrere kurzfristige Aufträge parallel abwickeln zu können, da die Anzahl der Telegramme, die gleichzeitig übertragen werden können, begrenzt ist. Ist die Auslastung des Gesamtsystems zu hoch, dann sind stark steigende Antwortzeiten die Folge. Bei einer in S/4HANA eingebettete Lösung gibt es einen deutlich größeren Anwenderkreis, welcher zu einer zu hohen Auslastung führen kann. Daher stellt die exklusive Reservierung von Systemressourcen ein praktisches Problem für das MFS dar. Diese Reservierung ist nicht immer einfach, da sie von der Gesamtzahl der verschiedenen Prozesse und der jeweiligen Systemlandschaft abhängig ist und erfordert eine individuelle Ausgestaltung.

Vermeidung von zu langen Antwortzeiten

Man könnte annehmen, dass mit einer SAP HANA-Datenbank die Verarbeitungszeiten dank inMemory-Technologie keine Rolle mehr spielen. Doch das ist nur bedingt der Fall, denn SAP HANA ist primär darauf ausgelegt, große Datenmengen schnell aufzubereiten. Bei einem MFS kommt es allerdings darauf an, viele kleine Anfragen möglichst in Echtzeit zu bearbeiten, was mit komplett anderen Anforderungen verbunden ist.

Können die Ressourcen für das MFS in einem embedded EWM nicht garantiert werden, so steigen die Antwortzeiten bei zu hoher Systemlast. Zur Anbindung von Shuttles, vollautomatisierten Kommissioniersystemen wie A-Frame oder anderen Automatikanlagen mit hohen Anforderungen an Antwortzeiten, muss jeweils im Einzelfall entschieden werden, ob ein embedded EWM MFS ausreicht. Das kann zum Beispiel der Fall sein, wenn die unterlagerte Steuerung entsprechend zeitkritische Entscheidungen unterstützt. Es kann aber auch sinnvoll sein, ein dezentrales EWM inklusive MFS einzusetzen, um das Zusammenspiel einer MFS-Komponente zur Shuttlesteuerung mit dem EWM optimal zu koordinieren.

Wenn Sie ein Automatisches Kleinteilelager (AKL) mit mehreren Gängen betreiben oder planen, sollten Sie bedenken, welche Kapazitäten Ihr S/4HANA-Umfeld dafür zur Verfügung stellen kann.

Dieser Faktor kann einen entscheidenden Engpass darstellen, da S/4HANA die Systemressourcen auch für viele andere Prozesse benötigt, die dem EWM und damit dem MFS nicht zur Verfügung stehen. Bei AKLs ist dies ein sehr wichtiges Kriterium, welches beeinflusst, ob die Informationsübertragung vom Sensor zum Aktor schnell genug erfolgen kann, zum Beispiel vom Barcode-Scan auf einer Paket-Fördertechnik bis zur Weiche.

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Anforderungen an die Systemlandschaft

Um Ihre Anforderungen einschätzen zu können, sollten Sie Ihre Systemlandschaft genau kennen, egal ob Sie über einen Neubau, eine Neueinführung oder ein Upgrade Ihres SAP EWM nachdenken. Denn Ihre Anforderungen an das MFS hängen von Ihrer SAP Basis-IT ab. Beispielsweise sollten Sie via Server-Sizing dafür sorgen, dass genügend Speicher und Verarbeitungskapazität im System oder Systemverbund zur Verfügung stehen, um die erforderliche Last in den Work-Prozessen bewältigen zu können.

Oder ein anderes Beispiel: Sollten Sie in Ihrem bestehenden System einen Einbruch der Performance im laufenden Betrieb verzeichnen, empfiehlt es sich, dass Sie den Ursachen für den Leistungseinbruch auf den Grund gehen: Lag es an Problemen bei einem nächtlichen Batchlauf? Waren zu viele User gleichzeitig im ERP angemeldet? Stimmt etwas nicht mit der Serverhardware, den Basiseinstellungen, den Systemparametern oder der Datenbank? Das alles muss hinsichtlich Ihrer SAP Basis-IT geklärt werden, um die richtigen Rückschlüsse auf Ihren Bedarf abzuleiten.

Fazit

Wenn Sie vor der Frage stehen, ob Ihnen das in SAP EWM on S/4HANA eingebettete MFS ausreicht, empfehle ich Ihnen, die folgenden Fragen zu klären:

  • Wie komplex ist Ihr Lager?
  • Welche Antwortzeiten muss ihr Automatiksystem im Mittel erreichen und was sind die Höchstgrenzen?
  • Welche Last muss das MFS bewältigen?
  • Welche Geschwindigkeit ist erforderlich?
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FAQ

Was ist SAP EWM MFS?

Dieses Materialflusssystem ist ein Modul, um ein automatisches Lager ohne zusätzlichen Lagersteuerrechner an Extended Warehouse Management (EWM) anzubinden.

 

Reicht SAP EWM MFS für meine Zwecke aus?

Sie sollten Ihr System, die Komplexität Ihres Lagers und Ihre Anforderungen an Performance und Geschwindigkeiten genau prüfen und auf dieser Basis entscheiden, ob sich ein dezentraler Materialflussrechner für Sie lohnt. Es gibt sechs mögliche Konstellationen, eine davon ist aber in der Praxis unüblich:


1. SAP S4/HANA mit SAP EWM embedded mit MFS
2. SAP S4/HANA + SAP EWM on S4 dezentral mit MFS
3. SAP S4/HANA mit SAP EWM embedded + externer Materialflussrechner
4. SAP S4/HANA + SAP EWM dezentral + externer Materialflussrechner
5. Non-SAP + SAP EWM dezentral mit MFS (möglich, aber unüblich)
6. Non-SAP + SAP EWM dezentral + externer Materialflussrechner

Kann ich ein AKL ohne dezentrales EWM MFS betreiben?

Es kommt ganz auf den individuellen Fall an. Häufig umfassen automatische Kleinteilelager (AKL) aber mehrere Gänge und bedürfen so hoher Antwortgeschwindigkeiten, dass ein dezentrales EWM zu empfehlen ist.

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