Roboter sind out – es leben die Cobots

Cobots sind auf dem Vormarsch, also kollaborative Industrieroboter. „Kollaborativ“ heißt, dass die Cobots durch ihre Verhaltensweisen (fast) wie ein menschlicher Kollege mitarbeiten und nicht etwa einen Schutzabstand zu Menschen einhalten müssen. Die Anforderungen an Cobots sind hoch, beispielsweise müssen sie mit hoher Sensibilität für Situationen und die Interaktion mit den menschlichen Kollegen ausgestattet werden. Sie müssen adäquat reagieren und dürfen die Kollegen nicht etwa durch ihre Bewegungen verletzen.  

Aus Digitalisierung wird Vernetzung

Die Digitalisierung der Industrie ist schon seit vielen Jahren im Gange. Beschaffung, Disposition und Fertigung werden schon lange nicht mehr allein von Menschenhand organisiert. Der Schritt, der heute einen Quantensprung bedeutet, ist die Möglichkeit der Vernetzung und der selbständigen Kommunikation zwischen allen Akteuren. Neben den Menschen werden nun auch Maschinen und Roboter in sich selbst steuernde Kommunikationsnetze eingebunden. Diese Vernetzung ist im Grunde das, was mit Industrie 4.0 gemeint ist.

Die Digitalisierung muss nicht von heute auf morgen geschehen und nicht von Anfang an alle Bereiche umfassen. Das wäre ein viel zu umfangreicher Ansatz, der zum Scheitern verurteilt ist. Denn einer der Hauptfehler bei Digitalisierungsprojekten ist, dass zu viel auf einmal angepackt werden soll (lesen Sie dazu meinen Artikel über „5 Fehler, die Sie bei Ihrem Digitalisierungsprojekt vermeiden sollten“). Die Digitalisierung von Fertigungsprozessen klappt nur in einem schrittweisen Vorgehen, bei dem Funktionen und Prozesse – auch unternehmensübergreifend – koordiniert werden. Doch mit welchem Schritt sollten Sie den Prozess der Digitalisierung beginnen? Wo verbergen sich die größten Hebel für mehr Effizienz und höheren Gewinn? Genaue Analysen der bestehenden Systeme sind unabdingbar, will man von den Digitalisierungsmaßnahmen bei jedem Schritt so stark wie möglich profitieren.

Gestatten, Cobot: Der intelligente Roboter als Kollege

Eines der Themen, denen viele Experten ein hohes Potenzial für Effizienzverbesserungen des Produktionsprozesses zutrauen, ist die Robotik. Längst hat man sich an den Anblick von Industrierobotern in den Fabrikhallen gewöhnt, Prozesse in der Produktion werden mithilfe von Robotern automatisiert. Neu ist jetzt, dass die Roboter dank künstlicher Intelligenz auch flexibel und intelligent werden. Cobots stellen eine neue Möglichkeit dar, wie Menschen mit Maschinen zusammenarbeiten. „Sawyer“ zum Beispiel ist ein solcher Cobot von Rethink Robotics. Er führt Präzisionsaufgaben und auch monotone Tätigkeiten im Produktionsprozess durch und verschafft dem Fachpersonal Raum für komplexere Tätigkeiten. Laut Herstellerangaben soll Sawyer innerhalb weniger Stunden durch „Training-by-Demonstration“ Bewegungsabläufe abspeichern und wieder abrufen können.

Werden wir uns an Cobots als Kollegen gewöhnen?

Bei den meisten Menschen wird die Vorstellung, mit Robotern als Kollegen statt als Hilfsgerät zusammenzuarbeiten, vermutlich auf Skepsis oder sogar Ablehnung stoßen. Doch vieles spricht dafür, dass sie sich schnell daran gewöhnen und die Vorteile wertschätzen lernen. Zum einen ist es überraschend, wie sehr Menschen Maschinen – sogar nicht intelligente wie Waschmaschinen oder Küchengeräte – vermenschlichen, sie etwa beschwören oder beschimpfen, wenn sie nicht funktionieren. Um wieviel leichter wird die Vermenschlichung sein, wenn die Roboter vernünftig, freundlich und hilfsbereit agieren? Man wird die künstlichen Kollegen nicht mit einem echten Menschen verwechseln, und doch effizient und vielleicht sogar gerne mit ihnen zusammenarbeiten. Cobots werden auch im privaten Alltag immer häufiger zugegen sein, sodass sich die derzeitig vorherrschende Skepsis nach und nach verringert.

Aus dem Alltag in die Fertigungshalle

Beispielsweise gibt es bereits Prototypen für soziale Roboter im Gesundheitsbereich, die überlastete Pflegekräfte unterstützen. Im Bildungssektor wird mit Cobots als Sprachlehrer experimentiert: Humanoide, menschenähnliche, Roboter wie „Robovie“ oder „iCat“ unterstützten Kinder beim Englischlernen. KUKA, der deutsche Roboterhersteller, der seit 2016 zum chinesischen Midea-Konzern gehört, verkaufte 2004 die ersten computergesteuerten Cobots für die Industrie. In der kommerziellen Fertigung kam erstmals bei Linatex ein Cobot zum Einsatz, einem dänischen Kunststoffhersteller: Erstmals mischten sich Roboter direkt unter die Kollegen, ohne einen Sicherheitskäfig, und entlasteten sie von monotonen Tätigkeiten. Die Cobots werden seither immer leistungsstärker und empathischer – doch das schützt sie nicht vor Skepsis.

Widerstände gegen Kollege Cobot

Nicht alle reagieren positiv auf Cobots und die neue Technik stößt auch auf Widerstand. Die Psychologen Markus Appel von der Julius-Maximilians-Universität Würzburg und Timo Gnambs von der Johannes-Kepler-Universität in Linz fanden heraus, dass sich die Meinung von Studienteilnehmern über Roboter am Arbeitsplatz vom Jahr 2012 auf das Jahr 2017 verschlechtert hat, was ihrer Meinung nach unter anderem mit negativer Berichterstattung etwa zur Angst vor Arbeitsplatzverlust zusammen hängt. Allerdings werde der Einsatz von Robotern am Arbeitsplatz immer noch positiver beurteilt als der Einsatz im Operationssaal oder in Form von selbstfahrenden Autos.

Arbeiten wir bald alle mit Cobots zusammen?

Werden wir also schon bald alle mit Cobots zusammenarbeiten? Wird das die Effizienz steigern? Werden die Menschen glücklich sein mit dieser Entwicklung, oder zumindest zufrieden? Dies hängt von den beiden Faktoren ab, die wir in diesem Beitrag anschneiden: Zum einen muss sichergestellt werden, dass die Roboter derart mit mechanischen Fähigkeiten und künstlicher Intelligenz ausgestattet werden, dass sie tatsächlich zuverlässige Kollegen sind. Wenn die Roboter dann noch ein Verhalten an den Tag legen, das sie „sympathisch“ und „fleißig“ macht, könnten sie sich schneller etablieren, als Kritiker dies heute noch vermuten. Sie werden die Roboter nicht mit echten Menschen verwechseln, aber überraschend problemlos mit ihnen interagieren.

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