Remote-Inbetriebnahme eines SAP EWM? So klappt es!

Remote Inbetriebnahme SAP EWM
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Was tun, wenn eine lang vorbereitete Inbetriebnahme eines SAP EWM direkt bevorsteht, die Teams sich aber wegen einer Kontaktsperre zum geplanten Zeitpunkt nicht vor Ort treffen dürfen? Verschieben war nicht möglich, daher haben wir erstmals ein Lager remote in Betrieb genommen. Der Erfolg hat uns wertvolle Erfahrungen auch für Zeiten nach der Krise gebracht.

Für gewöhnlich kommen für den Go-live eines Lagerverwaltungssystems wie SAP EWM viele Parteien und Menschen am Standort zusammen, um den Start des operativen Betriebs möglichst schnell und sicher über die Bühne zu bringen. Doch was tut man, wenn zwar das Projekt, alle baulichen Maßnahmen, die Mitarbeiter, die Software und alle weiteren Leistungen just-in-time fertiggestellt wurden, aber die Corona-Krise den persönlichen Kontakt zwischen Menschen einschränkt? Hier bleibt nur die Wahl, den Go-live auf unbestimmte Zeit zu verschieben – oder erstmals ein so umfangreiches Projekt im Remoteverfahren zum Erfolg zu führen. Und so kam es, dass wir im März nach rund 24 Monaten Projektlaufzeit den Go-live bei einem der größten deutschen Lebensmittelproduzenten aufgrund von Corona-Bestimmungen nicht wie geplant mit einer großen Mannschaft auf der Fläche unterstützt haben, sondern einen neuen Weg gefunden haben, den wir normalerweise nicht in Betracht gezogen hätten, der nun aber unser künftiges Repertoire ergänzt.

24 Monate präzise Vorbereitungen

Wir haben in der Vergangenheit mit diesem Unternehmen bereits mehrere Projekte erfolgreich durchgeführt. Mit dem Kick-off eines neuen großen Projekts im März 2018 konnten wir die lange vertrauensvolle Kundenbeziehung weiter fortführen: Innerhalb von 24 Monaten sollte das alte Lagerverwaltungssystem, bestehend aus einem SAP WM mit einem Non-SAP LVS, in einem agilen Sprintverfahren abgelöst werden. Das Projekt umfasste:

  • Die Ablösung des bereits bestehenden Produktionslagers mit mehreren Palettierungsstätten, dem automatischen Rohstoffhochregallager und dem automatischen Hochregallager für Fertigwaren.
  • Gleichzeitig sollte der Standort um weitere sechs automatische Hochregallagergassen, eine Elektrobodenbahn sowie einen neuen Versandbereich in mehreren physischen Umbaustufen erweitert werden.
  • Softwareseitig galt es, das Werk in das vorhandene SAP EWM des Kunden zu integrieren. Die in diversen Vorgängerprojekten etablierten Prozesse wurden auf das neue Werk ausgerollt, angepasst und um projektspezifische Inhalte erweitert

Im Oktober 2019 wurde die Realisierungsphase mit den Funktionstests des Projekts beendet und das Projekt ging in die nächste Phase über, die Anlagentests. Hier wurde innerhalb von sechs Monaten die Software im Verbund mit der physischen Anlage vor Ort im Werk getestet. Auch hier konnten die gesteckten Ziele dank der vorbildlichen Arbeit aller beteiligten Parteien fristgerecht erreicht werden. Alle Schritte für den Go-live sowie die anschließende vierwöchige Hypercare-Phase waren organisatorisch geplant und erprobt und wurde an die Beteiligten kommuniziert. Somit stand dem angepeilten Go-live Termin am 14. März 2020 aus Projektsicht nichts mehr im Weg.

Alles steht bereit für den Start – dann kam das Zutrittsverbot

Rund zwei Wochen vor dem Go-live-Termin spitzen sich die Ereignisse rund um die Corona-Krise weiter zu. Erschwerend kam hinzu, dass das Werk in der Region Heinsberg liegt, in der die Infektionszahlen zum Zeitpunkt des Go-live besonders hoch waren und die daher als Risikogebiet mit besonders strengen Regelungen ausgewiesen war. Daher hat der Corona-Krisenstab des Kunden zwei Tage vor dem Go-live-Wochenende beschlossen, dass der Zutritt von werksfremden Personen für alle Bereiche auf ein Minimum zu reduzieren sei, um die Gesundheit der Teammitglieder und externen Dienstleister nicht zu gefährden. Dennoch kam die Verschiebung des Go-live aufgrund der organisatorischen Komplexität nicht in Frage, denn es waren alle Vorbereitungen getroffen, um genau zu diesem Zeitpunkt einen Stillstand aller Aktivitäten im SAP EWM und SAP ERP-System des Kunden zu ermöglichen. Alle deutschlandweit produzierenden Werke waren auf den Termin eingestellt und hatten die weitreichende Downtime-Phase eingeplant. Wir mussten daher kurzerhand gemeinsam mit dem Kunden eine Lösung finden, wie wir den Go-live und den Hypercare auch ohne persönliche Präsenz im Werk durchführen konnten.

Neue Mechanismen unter Zeitdruck etablieren

Gemeinsam mit dem Kunden haben wir daher in kürzester Zeit Mechanismen für den Remote-Einsatz entwickelt und etabliert. Das Go-live-Wochenende, an dem die Migration, das Einspielen der Softwaretransporte und erste Testbewegungen erfolgen sollten, wurde von vier verschiedenen Standorten aus über eine Videokonferenz organisiert und gesteuert. Abgesichert durch mehrere Generalproben und dank der minutiösen Planung des Kunden haben wir in enger Zusammenarbeit aller Beteiligten schlussendlich eine reibungslose Produktivsetzung geschafft, auch ohne physische Präsenz.

Für die Hypercare-Phase waren die IT-Experten des Kunden und auch wir SALT-Mitarbeiter in getrennten, aber nahe beieinanderliegenden Räumen im Umkreis des Werks untergebracht. Die Nähe zum Werk gab die Sicherheit, dass die Mannschaft der SALT jederzeit schnell in das Werksgelände gelangen konnte, wenn dies notwendig werden sollte. Zur Sicherheit hatten wir also die Möglichkeit für einen spontanen Eingriff eingeplant, sie ist aber letztendlich nicht nötig gewesen.

Was war der Schlüssel zum Erfolg?

Für die erfolgreiche Durchführung und Absicherung des Remote-Einsatzes war es wichtig, ausreichend Personal mit entsprechenden Know-how über die Werks-Software verfügbar zu haben. Diese Experten beim Kunden haben die operativen Mitarbeiter gesteuert und angeleitet, Softwarefehler identifiziert und an SALT weitergeleitet. Dies hat meiner Meinung nach vor allem deshalb so gut funktioniert, weil wir mit dem Kunden aufgrund unserer langjährigen Zusammenarbeit einen großen Erfahrungsschatz aufgebaut haben, die Prozesse und Technik bestens kennen und alle in der Unternehmens-IT und bei SALT wussten, dass sie sich aufeinander verlassen können. Fehlermeldungen wurden qualifiziert voranalysiert und an SALT gemeldet. Die Filterung, Zuordnung und Priorisierung der Anfragen aus dem Werk durch die Kunden-IT ermöglichte eine effiziente Kommunikationskette und hielt den Overhead für Abstimmungen gering. Das in vielen Vorgängerprojekten gefestigte Projektvorgehen und gegenseitiges Vertrauen zahlten sich in dieser für alle neuen Situation aus und haben diesen Erfolg unter völlig neuen erschwerten Bedingungen erst möglich gemacht.

Ein Modell für die Zukunft?

Meiner Ansicht nach hat der Remote-Einsatz reibungslos funktioniert. Wir und auch der Kunde überprüfen bereits, ob und in welchen Fällen eine solche Remote-Installation oder ein hybrides Modell auch in künftigen Projekten sinnvoll ist. Gerade in der augenblicklichen Zeit mit den nach wie vor bestehenden Kontaktbeschränkungen, aber auch darüber hinaus lassen sich die gewonnenen Erfahrungen sicherlich nutzen.

Projekt thyssenkrupp Marine Systems - Schiffbau: Automatisierte Lagersteuerung mit SAP EWM

20 Jahre leistete das Lagerführungssystem von thyssenkrupp Marine Systems am Standort Kiel hervorragende Dienste. Jetzt galt es, den Technologiestandard für die kommenden 20 Jahre auszurichten. Mit SAP EWM brachte SALT Solutions das Lager wieder auf Kurs. Mehr dazu erfahren Sie im Projektbericht!

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