Produktions­steuerung mit Kanban optimieren: So gelingt die Umsetzung

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Überproduktion und hohe Bestände sind die Folge, wenn man sich bei der Produktionssteuerung auf Erfahrung und vorgefasst Pläne verlässt. Mit einer verbrauchsorientierten Produktionsteuerung nach dem Kanban-Prinzip sparen Sie Lagerhaltungskosten und reduzieren Liege- und Transportzeiten.

Individualisierung soweit das Auge reicht. Jeder will sein ganz persönliches Auto, welches sich natürlich von dem des Nachbarn unterscheidet.

Diese Mentalität stellt die Industrie vor große Herausforderungen, da der Kunde bekanntermaßen König ist und (fast) alle Wünsche erfüllt werden. Die daraus resultierende Kombinationsvielfalt von Bauteilen erfordert einen enormen Planungsaufwand um notwendige Teile zeitnah zur Verfügung zu haben und eine termingerechte Auslieferung der Fahrzeuge sicher stellen zu können. Das wiederum zieht oft volle Lager oder hohe Wiederbeschaffungszeiten nach sich. Die Lösung für dieses Problem nennt sich Kanban.

Was ist Kanban?

Kanban nennt sich eine Produktionssteuerung nach dem Pull-Prinzip. Als Analogie aus dem täglichen Leben kann man sich ein Supermarktregal vorstellen. Erst wenn eine bestimmte Anzahl eines Produktes aus dem Regal entnommen wurde, wird das Regal aus dem Lager wieder aufgefüllt und beim Hersteller entsprechend Nachschub bestellt.

Kurzgefasst: Es wird nur produziert, wenn auch etwas verbraucht wird. Oder andersrum, wird nichts verbraucht, hat die Produktion Pause. In der Theorie ganz einfach und in der Praxis?

Wie funktioniert Kanban in der Praxis?

Kanban kommt aus dem Japanischen und heißt übersetzt "Karte", "Tafel" oder "Beleg". Ein Kanban steht für ein bestimmtes Material und eine definierte Anzahl. Da wir im Zeitalter von Industrie 4.0 leben und keiner mehr mit Pappkarten hantieren möchte, kann man sich einen Kanban auch als virtuellen Ladungsträger oder Kiste vorstellen.

Alle Kanban bewegen sich in einem definierten Kreislauf, zwischen Beauftragung, Produktion/Fertigung, Versand, Transport und Kundenlager. Da eine Beauftragung nur dann ausgelöst wird, wenn auf Kundenseite ein Kanban entnommen wird, regelt sich die Menge an produziertem Material quasi von allein, demzufolge kann man auch von einem Regelkreis sprechen. Für jedes zu produzierende Material und jeden Lagerort/Entnahmesupermarkt gibt es einen Regelkreis.

Um nach Kanban zu produzieren, bedarf es Regeln, die ein Umdenken bei Produzenten und Verbrauchern erfordern.

Folgende Dinge ändern sich durch Kanban:

  • Bisher wird produziert, bis die Schicht zu Ende ist. Diese Überproduktion kostet zum einen Zeit, aber auch Platz. Beides kostet Geld. Nach Kanban wird nur produziert, wenn tatsächlicher Bedarf vorhanden ist.
  • Verbraucher bestellen Teile auf Verdacht oder nach dem aktuellen Vorrat. Auch das führt teilweise zu unnötig vollen Lagern Bei Kanban wird nur Bedarf gemeldet, wenn dieser tatsächlich existiert, nämlich bei Entnahme.

Um einen möglichst reibungslosen und optimalen Ablauf zu gewährleisten muss die Größe des Regelkreises und der Kanban entsprechend ausgelegt sein. Hierfür spielen verschiedene Faktoren eine Rolle:

  • Fertigungsleistung der Linie
  • Qualität des Fertigungsprozesses (Ausschussrate)
  • Transportdauer
  • Mittlerer Kundenbedarf über einen definierten Zeitraum

Basierend auf diesen und weiteren Kenngrößen kann errechnet werden, wie viele Kanban ein Regelkreis enthalten muss um den tatsächlichen Bedarf des Kunden stets und ständig zu decken.

Ein Beispielszenario:

Der Kunde verbraucht in zwei Wochen 28 Kanban, dabei aber nie mehr als 3 Kanban am Tag. Er hat einen Sicherungsbestand von vier Kanban.

Man kann diesen Bedarf befriedigen, indem man alle zwei Wochen 28 Kanban liefert, es funktioniert aber auch, wenn man jeden zweiten Tag vier Kanban liefert. Somit reduziert sich die benötigte Lagerfläche von 32 Kanban auf 8 Kanban.

Der Vorteil der Kanban Methode ist dabei nicht nur die geringere benötigte Lagerfläche, sondern auch die Möglichkeit kurzfristiger auf Bedarfsänderungen reagieren zu können. Sollte der Kunde einen plötzlichen signifikanten Minderbedarf haben liegen deutlich weniger ungenutzte Teile im Lager. Da nichts mehr auf Kundenseite entnommen wird, werden auch keine neuen Aufträge ausgelöst und die Produktion ebenfalls gestoppt.

Je größer die Betrachtungszeiträume und je genauer man die Bedarfe ermittelt, desto kleiner können Intervalle und produzierte Mengen gewählt werden.

Diese Methode der Produktionssteuerung muss man sich nicht für ein komplettes Fahrzeug oder Produkt vorstellen, sondern kann sie bis auf die kleinsten Fertigungsprozesse im Wertstrom herunterbrechen. Achsmontage, Antriebswellen, Differentiale, ...

Alle diese Komponenten bestehen aus verschiedenen Einzelteilen, welche sich wiederum modellübergreifend unterscheiden oder auch oftmals gleichen. Da die Nachfrage nach verschiedenen Modellen oder Ausstattungsvarianten sehr unterschiedlich ausfällt, ist der Bedarf nach dem einen oder anderen Rohmaterial oder Nachschubteil ebenfalls verschieden.

Über geschickte Planung der Regelkreise und der entsprechenden Fertigungsintervalle lässt sich quasi eine „Just-In-Time“-Fertigung abbilden ohne unnötigen Lagerbestand.

produktion kanban
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Wie kann man Kanban mit modernen Mitteln umsetzen?

Wir haben als Dienstleister gute Erfahrungen gemacht mit einem State-of-the-Art User Interface (UI) für die Planung und den Betrieb von Kanbanregelkreisen. Mittels Prototyping können Unternehmen sehr schnell ein Gefühl für die spätere Applikation bekommen. Wir verwenden Cloud-Technologien, welche es möglich machen hochverfügbare und skalierbare Kundenumgebungen zu schaffen, die zudem günstiger sind, als vergleichbare on-Premise Lösungen.

Nach einer Analyse der Wertströme können wir diese Cloud-Lösung mit den historisch gewachsenen SAP Systemen des Kunden verknüpfen, um diese als Taktgeber und führendes System der gesamten Produktionssteuerung zu integrieren. Die unzureichende Flexibilität des SAP-Systems in Bezug auf kurzfristige Bedarfsänderung wird durch das Zusammenspiel mit der Cloud-Lösung egalisiert und so eine bedarfsgesteuerte Produktion möglich gemacht.

Durch eine agile Entwicklung kann flexibel auf Anforderungen reagiert werden und der Kunde erhält dank kurzer Release Zyklen schnell neue Features.

Fazit: Kanban optimiert die Produktionssteuerung

In SAP-gesteuerten Produktionen steckt viel Potential, welches es zu wecken gilt. Durch den Einsatz von Kanban lassen sich die Effizienz steigern und die Kosten senken. Mit einem intuitiv bedienbaren, von überall erreichbaren State-of-the-Art UI fällt dem Anwender die tägliche Arbeit leichter und macht ihm noch mehr Spaß. Intransparente, fehleranfällige SAP Prozesse und Buchungskaskaden werden klar strukturiert und auf ein Minimum reduziert – eine Win-Win-Situation.

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