Industrie 4.0: Im Team erfolgreich – vom Sensor bis ins SAP

Bewerten
4 Bewertungen,
Durchschnitt 3,0

Die Diskussion um Industrie 4.0 wird getrieben von innovativen Ansätzen: Internet- und Cloud-Technologien sollen mit intelligenten Produkten und Werkzeugen selbststeuernde Produktionsabläufe ermöglichen. Von Big Data und dem Internet der Dinge werden neue Geschäftsmodelle für Fertigung und Logistik erwartet. In der Industrie-Praxis stoßen dabei Gruppen aus verschiedenen Disziplinen mit unterschiedlichen Interessen aufeinander.

Da ist einerseits die vermeintlich träge zentrale IT-Abteilung, die ihre Vorstellungen von Software- und Hardware-Standards mit weitreichenden Sicherheits-Anforderungen garniert und neue Ideen aus der Fabrik kritisch hinterfragt. Andererseits beschaffen Produktionsverantwortliche schon mal auf die Schnelle exotische IT-Lösungen, wenn es gilt, Fertigungsprozesse besser zu unterstützen. Und Maschinenbauer erweitern ihren Markt durch  proprietäre Software auf den Steuerungsrechnern ihrer Anlagen, die PPS angeblich besser beherrscht als die SAP-Software des Unternehmens.

Mit dieser Form der Silo-Denke wird aus Industrie 4.0 wohl ein Desaster 5.0.

Wie es anders geht, wird gerade im Projekt Cyber-Physische Produktions-Systeme (CyProS*) praktiziert. Ein Teilprojekt beschäftigt sich dabei mit der Entwicklung intelligenter Spannzeuge für Werkzeugmaschinen. Elektrisch verstellbare Vorrichtungen erlauben schnelle Werkstückwechsel und ermöglichen flexible Spannkräfte, bieten also Vorteile, wenn Losgröße 1 und hohe Produktvarianz zu fertigen sind. Integrierte Kraftsensoren erlauben das sichere Spannen empfindlicher Werkstücke ohne Beschädigungen. Spannkraftverluste, die in der Werkzeugmaschine durch die Fliehkräfte bei hohen Drehzahlen entstehen, können ausgeglichen werden. Die Sensoren liefern darüber hinaus laufend Informationen über den Zustand des Spannzeugs. Eine vorbeugende Instandhaltung erkennt  aus den Daten frühzeitig einen Verschleiß. Durch vorbeugende Wartung können so Maschinenstillstände vermieden werden. Die Herausforderungen sind komplex: Von der Datenübertragung zwischen rotierenden Maschinenkomponenten über Schnittstellen-Standards bis zur Verknüpfung mit Informationen aus MES und ERP müssen alle Aspekte betrachtet werden. So entsteht eine industrietaugliche Lösung mit der Produktionsmitarbeiter, Instandhalter und das Betriebsmanagement später alle Informationen für die optimale Unterstützung ihrer Aufgaben erhalten.

Dafür arbeiteten die Team-Mitglieder aus den unterschiedlichen Disziplinen vor Ort eng zusammen (von links nach rechts):

  • Christan Neubauer, Röhm GmbH: Spannzeug-Entwicklung
  • Markus Aßfalg, dSys – digitale Systeme e.K.: Entwicklung Sensorik mit kontaktloser Energie- und Datenübertragung
  • Bernhard Klimm, SALT Solutions GmbH: MES-Integration mit SAP ME
  • Christian Berger und Philipp Engelhardt, Fraunhofer IWU Projektgruppe Ressourceneffiziente mechatronische Verarbeitungsmaschinen RMV: Mechanische Integration und Testbetrieb von Werkzeugmaschine und Spannzeug.

*) Das Forschungsprojekt CyProS – Cyber-Physische Produktionssysteme –beschäftigt sich mit der Produktivitäts- und Flexibilitätssteigerung durch die Vernetzung intelligenter Systeme in der Fabrik und wird durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert.

Zurück