Handel 4.0: Kunden als Treiber der Disruption

Im November trafen sich die führenden Köpfe des deutschen Handels auf dem Handelskongress in Berlin. Ginge es nach den Worten des Gastredners Günther Oettinger, EU-Kommissar für Digitale Wirtschaft und Gesellschaft, werden die Innenstädte und Ihre Einkaufslagen bald verweisen. Wer nicht auf den Playground für E-Commerce einsteige, werde verschwinden. Ist das wirklich so?

Im kommenden Weihnachtsgeschäft werden wieder Rekordumsätze im Online-Handel erwartet und gleichzeitig eine weitere Stagnation im stationären Geschäft. Erstmals wird der Black Friday in Deutschland bei einigen Anbietern nicht nur 24 Stunden, sondern eine ganze Woche dauern. Das Wachstum findet also vermeintlich woanders statt. Schaut man hinter die Zahlen, dann sinkt konjunkturbereinigt, der stationäre Umsatz sogar und verliert an Boden.

Ich kann mich dieser Panikmache trotzdem nicht vollständig anschließen. Handelsunternehmen, die den Trend richtig erkannt haben und handeln, wachsen in beiden Feldern. Deutsche Startups sind robust und überzeugen mit Geschäftsmodellen, die online und offline intelligent miteinander verknüpfen. Die Verbindung lokaler Shopping-Führer im Netz zu passenden Online-Shops auf einer integrierten Plattform kann die Lösung für die Umsatzmisere lokaler Händler sein. Logistiksysteme wie die AutoStore Lagerautomatik bringen in Verbindung mit flexiblen Software-Lösungen völlig neue Performance in die Logistik und unterstützen Geschäftsmodelle wie Self-Stores und den Omnichannel-Commerce.

Eines hat sich auf dem Handelskongress allerdings als richtig erwiesen. Es ist der Kunde, der durch sein individuelles und über alle IT-Systeme verteiltes Konsumentenverhalten die bisherige Handelswelt auf den Kopf gestellt hat.

Dazu Alexander Birken, Konzernvorstand Multichannel Distanzhandel der Otto Group: „Der Kunde erwartet, dass Unternehmen heute mit all ihren Systemen intelligent und echtzeitfähig aufgestellt sind.“ So war es dem Vortrag unseres Kunden und der Pressemeldung zum Handelskongress zu entnehmen.

Diese disruptive Entwicklung kann nur dort zum Vorteil des Händlers gewandelt werden, wo sie entstanden ist. Mit intelligenten Software-Lösungen: Umkleidekabinen, die soziale Netzwerke integrieren, und Schaufenster, die den Kaufimplus auch nach Ladenschluss bedienen, sind im Zusammenspiel mit Logistiksystemen ein Baustein für Umsatzsteigerungen im Einzelhandel.

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