Digitale Erfolgs­faktoren für resiliente Wert­schöpfungs­ketten – die wichtigsten Erkenntnisse

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In einer aktuellen Studie hat die Bundesvereinigung Logistik (BVL) gemeinsam mit Partnern untersucht, welche Faktoren Unternehmen in den letzten Monaten erfolgreich durch die Krise gebracht haben. Die wichtigsten Erkenntnisse sind hier für Sie zusammengefasst.

Seit Beginn der Corona-Pandemie haben wir in der Arbeit mit unseren Kunden und Partnern den Eindruck gewonnen, dass der Grad der Digitalisierung eines Unternehmens über die Robustheit seiner Supply Chain entscheidet. Diese Theorie ließen wir in einer Studie mit mehr als 540 Teilnehmern aus Industrie, Logistik und Handel von der Frankfurt University of Applied Science gemeinsam mit der BVL, der SAP und dem Institut für Management Excellence überprüfen. Dazu haben wir untersucht, wie anpassungsfähig Unternehmen auf die Auswirkung der Pandemie reagieren, und haben das in Beziehung zum Digitalisierungsgrad ihrer Supply Chain gesetzt.

Die Pandemie ist Beschleuniger für Digitalisierungs­vorhaben

Die gute Nachricht zuerst: Alle befragten Unternehmen sehen sich grundsätzlich als gute Krisenbewältiger. Sie bewerten die eigene Anpassungsfähigkeit im Durchschnitt höher als die Auswirkungen der Pandemie. Die schwerwiegendsten Probleme identifizieren die Teilnehmer in der Beschaffung und damit einhergehenden Kostenerhöhungen. Weniger gravierend fielen Probleme in Produktion und Distribution ins Gewicht. Überwiegend gut kompensiert wurden Sicherheits- und Hygienethemen. Zu den breit und schnell digitalisierten Abläufen und Prozessen gehören an erster Stelle Videokonferenzen, sowie Informations- und Wissensaustausch. Auch die Anbindung von Geschäftspartnern ist überwiegend schon digitalisiert. Die Pandemie sehen alle einhellig als Weckruf.

Strukturelle Veränderungen der Wertschöpfungsketten durch Covid-19, wie beispielsweise vermehrte Regionalisierung, erwarten die Befragten interessanterweise nicht. Meiner Meinung nach wird das aber trotzdem geschehen, weil Megatrends wie die Fertigung in Losgröße 1 und die Amazonisierung der Einkaufs- und Distributionsprozesse weiter bestehen und große Treiber für diese strukturellen Veränderungen darstellen. Das ist ein guter Ansatzpunkt für die Verankerung von resilienten Prozessen.

Digitalisierung ist Voraussetzung für resiliente Lieferketten

Lager- und Transportlogistik erwiesen sich zwar insgesamt als flexibel, doch die befragten Unternehmen berichteten von allgemein herrschender Planungsunsicherheit. Und gerade auf diese fehlende Planungssicherheit konnte am schlechtesten reagiert werden. Die Befragung zeigt, dass noch wenige Unternehmen digitale Planungsprozesse, Echtzeit-Monitoring und Analytics einsetzen. Nur ein Drittel der befragten Unternehmen plant oder verfügt bereits über Supply-Chain-Risk-Management-Systeme.

Insgesamt zeigte die Studie, dass digitalisierte Unternehmen besser mit Krisen zurechtkommen. Digitale Prozesse, Monitoring und Planung sind dabei das Rückgrat. Allerdings steht diese Entwicklung erst am Anfang. Unabhängig davon, ob Sie die strategische Neugestaltung ihrer Supply Chain überlegen oder nicht: Nutzen Sie die Chance vor Allem zur Digitalisierung der Planung.

Der Weg zu Resilienz: Digitalisierung wirkt Proaktiv und Reaktiv

Gerade die Verbesserung der Planungssicherheit ist von hoher Bedeutung zur Erhöhung der Flexibilität. Davon geht zwar die Krise nicht weg, aber auf die Auswirkungen lässt sich schneller und besser reagieren. Etwa ein Drittel der befragten Unternehmen installieren in den nächsten ein bis drei Jahren Real-Time-Tracking. Damit gelingt der Dreisprung von Transparenz über Vorausschau bis hin zu automatischer Reaktion.

Gelebte Resilienz verbindet zweierlei: Vorbereitung und Reaktionsvermögen. Wollten Sie beispielsweise ein Hochhaus in einem Erdbebengebiet bauen, dann investieren Sie im Vorfeld, also proaktiv, in Struktur: Doppelte Stahlträger, mehrere Fluchtwege. Und reaktiv lohnt sich die Investition in Frühwarnsysteme. Das Erdbeben lässt sich nicht vermeiden – doch ihre Sicherheit und Reaktionsfähigkeit lässt sich stärken!

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Schneller als die anderen sein: Planungstools für vorrausschauendes Handeln

Als die wichtigste proaktive Maßnahme sehen die Befragten Multisourcing an, setzen also verstärkt auf mehrere Lieferanten. Hier unterstützt Digitalisierung den vermehrten Steuerungsaufwand und die Auswahl des aktuell passenden Lieferanten. Gewisse Einkaufsentscheidungen lassen sich gar ganz automatisieren.

Reaktiv lässt sich Planungsunsicherheit durch frühzeitige Informationen vermindern. Je eher man etwas mitbekommt, umso besser kann man sich darauf einstellen. Zum Beispiel durch Kopplung von Frühwarnsystemen mit den Planungssystemen im Unternehmen,  durch die automatische Priorisierung von Kunden- und Fertigungsaufträgen oder automatische Neudisposition von Fertigungs- oder Transportressourcen.

Eine sehr hilfreiche, bislang weitestgehend unterschätzte Unterstützung in den Planungsprozessen sehen wir im Informationsgehalt der sozialen Medien. Social Media Crawling und Analysen von beispielsweise Twitterdaten werden von den wenigsten Studienteilnehmern eingesetzt. Hier schlummert ein riesiges Potenzial, denn die Informationen dort sind reichhaltig, allgemein verfügbar und verbreiten sich rasend schnell.

Key Findings

Statistisch signifikanter Zusammenhang zwischen Digitalisierung und Resilienz

  • Die größte Herausforderung für Industrieunternehmen liegt auf der Beschaffungsseite
  • Die Logistik kann flexibel reagieren, leidet aber unter Planungsunsicherheit
  • Digitalisierte Unternehmen sind in der Lage, Krisen besser zu überwinden
  • Supply Chain Monitoring / Transparenz machen handlungsfähig
  • Planungssysteme und Supply-Chain-Risc Management sind von elementarer Bedeutung, werden aber erst vom kleineren Teil der Unternehmen eingesetzt
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