Die wichtigsten KPIs in der Produktion

Produktion KPI
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Anhand von Key Performance Indicators (KPIs) lässt sich die Leistung ganzer Unternehmen oder einzelner Unternehmensbereiche messen. Wir erläutern hier, welche die wichtigsten Kennzahlen in der Produktion sind und was dahintersteckt.

Mithilfe von Produktions-KPIs erhalten Sie belastbare und vergleichbare Auswertungen über die Leistung Ihrer Fertigung. Sind Ihre Prozesse effizient? Verbessern oder verschlechtern sie sich im Zeitverlauf? Übertreffen Sie damit die Benchmarks Ihrer Branche oder fallen Sie hinter Ihre Mitbewerber zurück? Um Ihre Produktion stetig zu verbessern, sollten Sie die Antworten auf solche Fragen kennen. KPIs spielen eine zentrale Rolle dabei, diese Antworten auf solider Datenbasis zu finden.   

Welche Arten von KPIs für die Produktion gibt es?

In der Produktion betreffen KPIs entweder den Input (“Was muss ich in meine Produktion reinstecken?”) oder den Output (“Wie optimiere ich die Zahl und Qualität der hergestellten Produkte?”). Manche messen Details, manche (wie zum Beispiel die OEE, siehe unten) sind sehr global. Es stehen KPIs für alle relevanten Aspekte zur Verfügung, zum Beispiel hinsichtlich Produktions- und Effizienzsteigerung, Qualitätsverbesserung, Kostensenkung, Rentabilitätssteigerung und Verbesserung des Kundenservices.  

Die folgenden KPIs sind in der Produktion besonders wichtig: 

1. Produktionsvolumen  und “Right First Time”

Ein zentraler KPI ist der Anteil fehlerfrei hergestellter Produkte an der Gesamtproduktion. Wie viele Produkte wurden fertiggestellt, und wie viele davon waren in Ordnung? Der Zeitraum der Zählung kann unterschiedlich gesetzt werden, beispielsweise pro Schicht, pro Woche, pro Monat, pro Quartal oder seit der letzten Maschinenumrüstung. Damit eng verwandt ist der KPI “Right First Time”. Welcher Anteil der hergestellten Produkte besteht beim ersten Anlauf die interne Qualitätskontrolle ohne Mängel? Da jedes mangelhafte Produkt und jede Nachbesserung Zeit und Geld kosten, liefern diese KPIs wichtige Hinweise darauf, wie (kosten-)effizient Ihr Produktionsprozess ist. 

2. Produktionskosten  

Die Produktionskosten umfassen alle Aufwendungen, die Sie für den Einkauf der fixen und variablen Produktionsfaktoren aufwenden. In der Regel wird dieser KPI auf die Kosten pro hergestellte Einheit berechnet. Diese Kosten genau zu analysieren, ist für produzierende Unternehmen von zentraler Bedeutung. Erst ein detaillierter Überblick über alle Kosten ermöglicht es Ihnen, Einsparpotenziale zu identifizieren, Ihre Produkte langfristig immer kostengünstiger herzustellen und eine überzeugende Preisstrategie zu verfolgen. 

3. Anlagenverfügbarkeit 

Die Produktion muss laufen. Denn jeder Ausfall kostet bares Geld, zum Beispiel wenn die Maschinen aufgrund von Verschleiß oder eines fehlenden Vorprodukts zum Stehen kommen. Daher ist einer der zentralen KPIs in der Produktion die Anzahl und Dauer von (ungeplanten) Produktionsausfällen - diese sollen möglichst gegen Null gehen. Wenn Sie Ihre Produktionsprozesse immer aktuell im Blick haben und detailliert analysieren, können Sie Schwachstellen identifizieren, Ursachen beheben und so das Risiko von Gewinneinbußen durch Stillstände reduzieren.  

4. Rüstzeitanteil 

Rüstzeiten sind zwar keine Störungen, führen aber dennoch zum Maschinenstillstand. Sie umfassen die Zeiten, in denen Arbeitssysteme auf die Erledigung eines Auftrags vorbereitet und nach Erledigung eines Auftrags in den benötigten Zustand (zurück-)versetzt werden. Sind die Rüstzeiten auf Ihrem Shopfloor zu lang, sollten Sie prüfen, welchen technischen und prozessualen Mittel Ihnen zu deren Verkürzung zur Verfügung stehen. 

5. Produktionsmängel  

Anhand des KPIs “Produktionsmängel” überwachen Sie, welcher prozentuale Anteil Ihrer Gesamtproduktion Mängel aufweist und nicht Ihren Qualitätsstandards entspricht. Produktionsmängel, vor allem dauerhafte, schlagen sich in höheren Kosten nieder und verringern Ihren Gewinn. Daher ist es eine der wichtigsten Aufgaben im Produktionsmonitoring, Mängel zu erkennen, die Ursachen herauszufinden und zu eliminieren, bis Ihre Qualität mindestens den Benchmarks Ihrer Branche entspricht.  

6. Rückgabequote 

Die Rückgabequote zeigt an, wie viele Ihrer verkauften Produkte vom Kunden zurückgeschickt werden. Ursache können Produktionsmängel sein, aber auch subjektive Aspekte: Vielleicht gefällt dem Kunden das Produkt einfach nicht so gut wie gedacht, es passt nicht oder wird doch nicht benötigt. Daher ist es wichtig, die Rückgabegründe zu analysieren, die produktionsbedingten herauszufiltern und Maßnahmen zur Verbesserung abzuleiten.  

7. Kapitalumschlag und Gesamtkapitalrendite 

Mit dem KPI “Kapitalumschlag” setzen Sie den Umsatz ins Verhältnis zu Ihrem Gesamtkapital und können demnach daraus folgern, wie viel Umsatz Sie aus Ihrem Kapital erwirtschaften. Ein hoher Kapitalumschlag ist für den wirtschaftlichen Erfolg - gerade bei produzierenden Unternehmen mit teuren Maschinen im Einsatz - äußerst wichtig. Ähnlich berechnen Sie den KPI “Gesamtkapitalrendite”, dabei setzen sie allerdings den Nettogewinn (nicht den Umsatz) ins Verhältnis zum eingesetzten Gesamtkapital. Je höher dieser Wert ist, desto besser – denn er gibt die Höhe Ihres Gewinns an.  

8. Instandhaltungskosten 

Die Instandhaltungskosten lassen sich in die Bereiche Wartung, Inspektion, Instandsetzung und Verbesserung einteilen und umfassen sämtliche die Kosten, die mit dem Erhalt oder der Wiederherstellung der Funktionsfähigkeit von Maschinen einhergehen. Um die laufenden sowie durch Produktionsausfälle entstehenden Instandhaltungskosten möglichst gering zu halten, können Sie beispielsweise auf Echtzeit-Monitoring und vorausschauende Wartung setzen.  

9. Mitarbeiterauslastung 

Der KPI “Mitarbeiterauslastung” gibt Auskunft darüber, in welchem Maße jeder einzelne Mitarbeiter zu jedem Zeitpunkt produktiv eingebunden ist, beziehungsweise umgekehrt, wie oft freie Kapazitäten brachliegen. Ziel ist es, die Prozesse und Arbeitsabläufe so zu koordinieren, dass die Arbeitskraft möglichst ohne Leerläufe zum Einsatz kommen kann. Um Schwachstellen zu erkennen, müssen Sie eine sehr genaue Kenntnis ihrer Prozesse haben, am besten in Echtzeit, und einen genauen Überblick über die Einsätze der Mitarbeiter unter Berücksichtigung ihrer Fähigkeiten und Verfügbarkeiten.  

10. Termintreue 

Mit dem KPI “Termintreue” berechnen Sie, wie viele der eingehenden Bestellungen Sie termingerecht und in einwandfreier Qualität ausliefern. Diese Kennzahl ist von höchster Wichtigkeit für die Kundenzufriedenheit, denn Ihre Kunden erwarten bei Auftragserteilung genau das von Ihnen. Jede Abweichung sorgt für Unzufriedenheit und sollte daher so weit wie möglich vermieden werden.  

11. Durchlaufzeiten 

Dieser KPI umfasst vorgangsbezogene Durchlaufzeiten, die an den einzelnen Arbeitsplätzen pro Vorgang benötigt werden und die “Produktionsdurchlaufzeit”, die Summe der Durchlaufzeiten aller zu einem Kundenauftrag gehörenden Arbeitsschritte. Bei diesem KPI geht es um das Ziel, die Zeitspanne vom Eintreffen eines Fertigungsauftrags bis zur Bereitstellung des hergestellten Produkts zur Auslieferung an den Kunden zu optimieren und die Lieferung in der vereinbarten Zeit zu schaffen. Gleichzeitig sollte eine zu frühe Fertigstellung verhindert werden, um die Lagerkapazität für fertige Produkte nicht unnötig zu strapazieren. Das richtige Maß ist also nötig: rechtzeitig, aber nicht zu schnell.  

12. Overall Equipment Efficiency 

Zuguterletzt ein wichtiger globaler Indikator: Der KPI “Overall Equipment Effectiveness” (OEE, Gesamtanlageneffektivität) umfasst mehrere Dimensionen der Bereiche Verfügbarkeit, Leistung und Qualität. Als Sammelvariable lässt sich daran die Gesamteffektivität einer Produktionsanlage oder bestimmter Teile davon auf einen Blick ablesen. Liegt die Zahl zu niedrig, wissen Sie, dass Sie sich auf die Suche nach den Ursachen machen sollten, um Verbesserungsmaßnahmen einleiten zu können. Je effizienter Ihre Produktion in allen Bereichen läuft, desto höher fällt die OEE aus.

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Fazit 

Produktions-KPIs sollen die Realität so genau wie möglich abbilden. Da jedes Unternehmen unterschiedliche Anforderungen hat, ist es sehr wichtig, die KPIs individuell auszuwählen und anzupassen. Die Anpassung kann nicht nach Lehrbuch erfolgen, sondern erfordert genaue Kenntnisse der eigenen Prozesse und Systeme. Sind diese bekannt, dann gilt es, für jeden KPI die richtigen Daten oder Messwerte festzulegen und die geeigneten Datenquellen, Mess- und Dokumentationsverfahren zu etablieren: 

  • Quelle: In welchem System, an welcher Stelle genau befinden sich die benötigten Daten? 
  • Abbildungstreue: Prüfen Sie, ob die gesammelten Daten WIRKLICH genau das abbilden, was Sie messen möchten. 
  • Aktualität: Legen Sie fest, wann und wie häufig Sie messen müssen, um die benötigte Aktualität der Daten mit dem geringstmöglichen Aufwand zu gewährleisten.  
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