Brexit und der Einzelhandel

Am 23. Juni hat Großbritannien abgestimmt: 51,9 Prozent der Wähler präferierten den Austritt des Landes aus der Europäischen Union. Die Börsenkurs-Anstiege kurz vor der Abstimmung verdeutlichten, dass die Wirtschaftswelt ein anderes Ergebnis für wahrscheinlicher hielt. Die Zeitungen sind seitdem voll von Spekulationen über die Konsequenzen des Referendums für die Insel, den Kontinent, die Welt. Auch die Einzelhändler werden dies zu spüren bekommen, insbesondere im abtrünnigen Großbritannien. Die Branche ist nun mal regional orientiert, Exportweltmeister kann man als Einzelhändler nicht werden.

JUNG GEGEN ALT

Schaut man sich die Stimmverteilung des Referendums an, so fällt auf, dass hier anscheinend „jung gegen alt“ und „Stadt gegen Land“ gestimmt haben. Und damit kann man das Ergebnis auch als ein Votum gegen die moderne Lebensweise interpretieren.

Hier sind wir beim Thema: der Alltag – nicht nur in England – hat sich in den letzten 20 Jahren massiv verändert: Globalisierung und Internet sind die bestimmenden Faktoren. Der Bürger und Konsument erlebt das täglich: beim Einkauf, bei Dienstleistungen wie Verkehr, Bank und Versicherung, beim Kontakt mit öffentlichen Stellen. Wandel ist generell nichts Neues; man denke gut 100 Jahre zurück an die Boom-Zeiten von Automobil und Elektrizität. Damals wie heute gilt: das machbare wird gemacht und niemand hält es auf.  Von Interesse ist allerdings vor allem, wie sich der Wandel und die neuen Möglichkeiten konkret umsetzen lassen. Wer schon einmal einen Rentner an einem Fahrkartenautomaten der Deutschen Bahn erlebt hat, weiß wovon ich rede. Oder wäre die Grundkonfiguration eines Android-Smartphones das treffendere Beispiel?

DIE AKZEPTANZ DER KONSUMENTEN IST AUSSCHLAGGEBEND

Handelsunternehmen sind auf die Akzeptanz der Konsumenten angewiesen, und in Summe sind die Käufer mehrheitlich jenseits des Jugendalters. Der Altersdurchschnitt der Kreativen in Marketing- oder E-Commerce-Abteilungen jedoch dürfte erheblich von der Konsumentendemografie abweichen. Wer soll hier die Verständnisbrücke schlagen und dafür Sorge tragen, dass die älteren Semester (mit entsprechender Kaufkraft) nicht abgehängt werden? Eine klassische Führungsaufgabe. Aber auch die einschlägigen Dienstleister für den Handel (Web-Agenturen, Prozessberater, Softwarehäuser) sind gefragt, tragen sie doch Verantwortung für die Ausgestaltung bis ins letzte Detail.

OMNICHANNEL-COMMERCE ALS BRÜCKENSCHLAG

Übrigens kann gerade hier das noch junge Konzept Omnichannel-Commerce punkten: Durchgängig gestaltet und konsumentengerecht über alle Kanäle präsent, kann ein Handelsunternehmen seine Zielgruppe in ganzer Breite adressieren, so dass niemand mehr fortschrittliche Handelskonzepte als Belastung für den Alltag wahrnimmt.

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