Wertstromdesign: Definition, Vorteile und Vorgehensweise

Wertstromdesign - Definition

Das Wertstromdesign (oder auch Value Stream Design) ist ein Navigations- und Visualisierungswerkzeug, das auf der Wertstromanalyse aufsetzt. Ein Wertstrom beschreibt sämtliche relevanten Prozessschritte, die erforderlich sind, um ein Produkt oder eine Dienstleistung zu fertigen, vom Rohstoff bis zum fertigen Endprodukt. Wie bei der Wertstromanalyse werden auch beim Wertstromdesign Symbole genutzt, um Prozesse und einzelne Prozessschritte zu visualisieren.

Das Wertstromdesign ist wie das übergeordnete Wertstrommanagement ein wesentliches Instrument im Lean Management und wird daher vor allem im Bereich der Produktion, zunehmend jedoch auch in der Logistik eingesetzt. Es eignet sich für jede Form der Serienfertigung, unabhängig vom jeweiligen Produkt oder Marktsegment. Mit deutlichen Abstrichen kann das Wertstromdesign auch angewendet werden, um im Bereich der Varianten- oder Einzelfertigung zumindest Verbesserungspotenziale zu ermitteln, jedoch lässt sich die Methode nicht ohne weiteres darauf übertragen.

Außer in der Produktion wird Wertstromdesign auch in der Logistik eingesetzt, weil auch hier zahlreiche Prozessschritte erforderlich sind, um eine reibungslose, wirtschaftliche und störungsfreie Supply Chain zu gewährleisten.

Infomaterial

Beim Wertstromdesign werden innerhalb von Wertströmen drei Typen von Aktivitäten unterschieden: wertschöpfende Aktivitäten, nicht wertschöpfende, jedoch unterstützende Aktivitäten sowie nicht wertschöpfende, nicht unterstützende Aktivitäten. Die letztgenannten gelten als Verschwendung und sollen mit Hilfe des Wertstromdesigns identifiziert und eliminiert werden, um Prozesse so zu gestalten, dass sie einen möglichst großen Beitrag zur Wertschöpfung im Unternehmen leisten.

Dabei werden sieben Arten von Verschwendung definiert:

    1. Überproduktion,
    2. Unnötiger Transport
    3. Unnötige Bewegung
    4. Zu hohe Bestände
    5. Unnötige Bearbeitungsschritte
    6. Wartezeit
    7. Fehler, Nacharbeit, Ausschuss

Wertstromanalyse als Basis des Wertstromdesigns

Um Wertströme im Unternehmen strukturiert optimieren zu können, ist in einem ersten Schritt die Wertstromanalyse notwendig. Sie liefert ein datenbasiertes Modell der Material- und Informationsflüsse in den einzelnen Wertströmen. Im Rahmen der Analyse werden nicht-wertschöpfende Prozesse identifiziert, die in einem zweiten Schritt im Rahmen des Wertstromdesigns durch einen verbesserten Wertstrom eliminiert werden.

Konzept zur systemdatenbasierten Wertstromanalyse
Konzept zur systemdatenbasierten Wertstromanalyse
Generierung von Wertströmen mittels Process Mining
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Das Wertstromdesign ist der zweite Verfahrensschritt des sogenannten Wertstrommanagements.

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Gründe für Wertstromdesign

Die Wettbewerbsfähigkeit von einem Unternehmen wird zunehmend durch seine Fähigkeit bestimmt, flexibel und schnell auf sich verändernde Kundenerwartungen zu reagieren. Produzierende Unternehmen stehen in einem sich ständig verschärfenden Wettbewerb und müssen darum zur Erhaltung ihrer Marktanteile ihre Prozesse kontinuierlich optimieren.

Die Notwendigkeit zur kontinuierlichen und strukturierten Prozessoptimierung ergibt sich vor allem daraus, dass nur ein geringer Teil aller Aktivitäten im Unternehmen wertsteigernd ist, also direkt in einem Ergebnis (Produkt, Dienstleistung) mündet, für das Kunden zu zahlen bereit sind. Ein weiterer, oftmals größerer Anteil ist zwar nicht direkt wertsteigernd, jedoch als Unterstützung erforderlich. Deren Anteil soll durch die Methode des Wertstromdesigns auf ein unverzichtbares Maß reduziert werden. Zudem sollen unternehmerische Aktivitäten, die weder direkt noch indirekt zur Wertsteigerung beitragen (Verschwendung), identifiziert und komplett beseitigt werden.

Das Wertstromdesign ermöglicht es, alle Prozesse und Prozessschritte effizient, übersichtlich und transparent abzubilden. Hierbei wird grundsätzlich die Perspektive des Kunden eingenommen, um Wertströme aus Kundensicht zu bewerten und zu verbessern.

Wie funktioniert Wertstromdesign?

Beim Wertstromdesign wird nicht nur der physische Materialfluss betrachtet, sondern auch der begleitende Informationsfluss, der für die Steuerung der Produktion notwendig ist. Dazu werden zusätzlich Prozessschritte, Schnittstellen, Zeitbedarfe (Prozess- und Durchlaufzeiten), Bestände sowie der operative und administrative Steuerungsaufwand betrachtet und auch deren Zusammenhänge, Abhängigkeiten und gegenseitige Wechselwirkungen abgebildet.

Das ermittelte Wertstromdesign wird dabei im Zeitverlauf immer wieder kritisch hinterfragt und angepasst, um so durch eine schrittweise Optimierung zu einer dauerhaften Prozessverbesserung zu gelangen. Alle Prozesse im Wertstrom sollen dabei so miteinander verknüpft werden, dass ein Fluss entsteht, der (aus Sicht des Kunden betrachtet) den Prozess optimiert.

Welche Ziele sollen mit Wertstromdesign erreicht werden?

  • Kontinuierliche und dauerhafte Optimierung von Produktionsprozessen
  • Abbau und Reduktion von Beständen
  • Kontinuierliche Verbesserung kunden- und kostenrelevanter Kennzahlen wie Durchlaufzeiten, Flächenbedarf, Kosten- und Leistungsproduktivität
  • Erhöhung der Transparenz durch bessere Informationsflüsse
  • Stärkere Kundenorientierung durch Erhöhung der Flexibilität und eine Steigerung der Reaktionsgeschwindigkeit
  • Reduktion des operativen Steuerungsaufwandes
  • Identifikation von Handlungsfeldern und Umsetzungsmaßnahmen
  • Versachlichung der betrieblichen Kommunikation

Wertstromdesign Vorgehensweise

Beim Wertstromdesign hat sich folgendes Vorgehen in vier Schritten bewährt:

  1. Identifikation und Fokussierung auf eine Gruppe von Produkten, deren Produktionsabläufe sich ähneln.
  2. Erfassung des Ist-Zustandes mit dem Ziel, ein allgemeines Verständnis für den aktuellen Wertstrom zu schaffen.
  3. Entwicklung eines verbesserten Soll-Zustandes, in dem die zukünftigen Funktionen und Abläufe innerhalb des Wertstroms definiert werden.
  4. Schrittweise Annäherung an den Soll-Zustand, um diesen sukzessive umzusetzen.

Die Schritte 2 bis 4 werden je Produktgruppe und Wertstrom im Regelfall nicht nur einmal durchlaufen, sondern immer wieder, um so eine kontinuierliche Prozessverbesserung zu ermöglichen.

Sowohl der Ist- als auch der Soll-Zustand werden schriftlich fixiert und mit standardisierten Symbolen dargestellt. Ausgangspunkt ist dabei grundsätzlich der Kunde; alle Prozesse werden also vom Kunden aus aufgenommen und optimiert.

Fragen und Antworten

Was ist Wertstromdesign?

Wertstromdesign oder auch Value Stream Design (VSD) ist ein betriebswirtschaftliches Werkzeug, das im Bereich der Produktionsplanung und -steuerung angewendet wird. Es setzt auf der Wertstromanalyse auf und verfolgt das Ziel, Wertströme im Unternehmen schrittweise und strukturiert zu verbessern. Mit Hilfe des Wertstromdesigns wird ein verbesserter Soll-Zustand definiert, in dem Tätigkeiten, die weder wertschöpfend noch als Unterstützung für wertschöpfende Tätigkeiten erforderlich sind, aus dem Wertstrom eliminiert werden. Die Methode eignet sich für die Serienfertigung, jedoch nur eingeschränkt für die Varianten- und Einzelfertigung.

Welche Ziele sollen mit Wertstromdesign erreicht werden?

Beim Wertstromdesign sollen Material- und Informationsflüsse optimiert werden. Zur Ermittlung von Optimierungspotenzialen wird dabei die Perspektive des Kunden eingenommen, um die Prozesse und Prozessschritte aus Sicht des Kunden zu optimieren. Mögliche (Teil-)Ziele sind dabei etwa die Reduktion von Beständen, die Verkürzung von Durchlaufzeiten, die Senkung von Kosten sowie die Vereinfachung des Informationsflusses. Ebenfalls soll durch Wertstromdesign eine höhere Prozesstransparenz erzielt werden, um daraus konkrete Verbesserungsmaßnahmen ableiten zu können.

Wie ist die Vorgehensweise des Wertstromdesigns?

Wertstromdesign erfolgt in vier Schritten, die aufeinander aufbauen und bei Bedarf wiederholt werden, um durch fortgesetzte Iteration eine kontinuierliche Verbesserung (KVP) zu erzielen:

  1. Auswahl und Fokussierung auf eine Gruppe von Produkten, deren Produktionsabläufe sich ähneln.
  2. Aufnahme des Ist-Zustandes, um den aktuellen Wertstrom zu erfassen.
  3. Entwicklung eines verbesserten Soll-Zustandes, in dem die zukünftigen Prozessabläufe des Wertstroms definiert werden.
  4. Schrittweise Umsetzung des Soll-Zustandes.

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