Wertstromanalyse: Definition, Vorteile und Vorgehensweise

Was ist eine Wertstromanalyse?

Die Wertstromanalyse oder auch Value Stream Mapping (VSM) ist eine strukturierte Methode, mit der sich der Ist-Zustand eines Prozesses visuell in einem Flussdiagramm darstellen lässt. Die Wertstromanalyse dient dabei in einem ersten Schritt der Illustration und Visualisierung, um darauf aufbauend den Prozess analysieren und optimieren zu können. Hierfür werden definierte und standardisierte Wertstromsymbole verwendet, die unabhängig vom konkreten Prozess und den daran beteiligten Ressourcen eine Kommunikation über Abteilungs- oder Unternehmensgrenzen hinaus ermöglichen.

Ein wesentliches Ziel der Wertstromaufnahme ist die Optimierung von Wertschöpfungsprozessen durch die Verringerung von Verschwendung, sowohl bei materiellen Produkten als auch bei Dienstleistungen und Services. Aus diesem Grund stellt die Wertstromanalyse ein wesentliches Element des Lean Managements dar, einer Methode zur kontinuierlichen Prozessoptimierung. Ebenso hat die Vorgehensweise der Wertstromanalyse mittlerweile Eingang in Qualitätsmanagement-Systeme gefunden und wird bei komplexen Projekten angewendet, beispielsweise bei der Einführung einer ERP-Software im Unternehmen.

Infomaterial

Die Wertstromanalyse ist der erste Verfahrensschritt des sogenannten Wertstrommanagements.

wertstrommanagement, wertstromanalyse, wertstromdesign

WHITEPAPER: Diese Fehler sollte man bei einer Wertstromanalyse vermeiden

Eine gut durchgeführte Wertstromanalyse kann Ihnen ohne große Aufwände helfen, Prozesse zu verbessern und Probleme zu identifizieren. Doch auch bei dieser Methode können Fehler passieren, die Sie daran hindern, ihr volles Potenzial auszuschöpfen.

Wir haben die häufigsten Schwachstellen zusammengefasst und erklären Ihnen in unserem Whitepaper, wie Sie sie vermeiden.  

Download

Einsatz der Wertstromanalyse in verschiedenen Branchen

Die Wertstromanalyse kann in zahlreichen Branchen sinnvoll angewendet werden, unter anderem innerhalb der Fertigung und der Logistik.

Die Wertstromanalyse in der Fertigung

Das VSM-Konzept wurde im Jahr 1950 beim japanischen Automobilhersteller Toyota entwickelt und dort erstmals eingesetzt. Durch eine strukturierte Analyse sollten Verschwendungen von Ressourcen im Fertigungsprozess erkannt und beseitigt werden. Dazu wurde jeder einzelne Schritt beim physischen Materialtransport sowie beim begleitenden Informationsfluss exakt analysiert, kritisch beleuchtet und immer weiter verbessert. Daher eignet sich das Konzept im besonderen Maße für Fertigungsprozesse.

Die Wertstromanalyse in der Logistik

Auch in der Logistik, die durch ihre bereichs- und unternehmensweite Schnittstellenfunktion gekennzeichnet ist, bietet die Wertstromanalyse die Möglichkeit, kosten- und zeitintensive Verschwendungen von Ressourcen entlang der gesamten Lieferkette zu identifizieren, zu quantifizieren und anschließend zu korrigieren – vom Lieferanten über die Produktion bis zum Endkunden.

Warum wird eine Wertstromanalyse benötigt?

Unternehmen stehen in einem sich ständig verschärfenden Wettbewerb und müssen daher ihre operativen Prozesse permanent optimieren. Die Methoden des Lean Managements, zu dem auch die Wertstromanalyse gehört, sind eine bewährte und branchenunabhängige Möglichkeit, dieses Ziel nachhaltig zu erreichen. Damit lassen sich die Produktionssysteme und Lieferketten anhand der internen und externen Wertströme auch über die Grenzen des eigenen Unternehmens hinweg optimieren. Darüber hinaus ist die Wertstromanalyse eine einfache, aber hocheffiziente Methode, um Informationsflüsse und Prozesse zu erfassen und darzustellen.

Welche Ziele sollen mit einer Wertstromanalyse erreicht werden?

  • Sichtbarmachung und Darstellung von
  • Identifikation von nicht wertschöpfenden Ereignissen und ihren Ursachen
  • Vereinfachung des Informationsflusses und Erhöhung der Transparenz
  • Erhöhung der Kundenzufriedenheit
  • Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit
  • Vermeidung von Verschwendung aller Art

Fachartikel: Konzept zur systemdatenbasierten Wertstromanalyse

Lesen Sie in einem Fachartikel von Dr. Eva Klenk, Prozessberaterin bei der SALT Solutions GmbH, wie Sie in einem ganzheitlichen Ansatz physische und IT-Prozesse unter die Lupe nehmen und Prozessverbesserungen ableiten. Laden Sie hier das PDF herunter.

Download

Symbole der Wertstromanalyse

Zur Visualisierung von Prozessen und zur Durchführung der Wertstromanalyse kommen standardisierte Symbole zum Einsatz. Die Symbole variieren je nach Einsatzgebiet, doch lassen sie sich in diese vier Kategorien einteilen:

  • Prozess (Prozessschritte, Tätigkeiten und Aktivitäten)
  • Material (Teile, Vor-, Zwischen- und Endprodukte, Logistik)
  • Information (Informationsfluss, Medien)
  • Allgemein (Optimierungsbedarf, Operatoren, sonstige nützliche Informationen, Timeline)

Vorgehensweise einer Wertstromanalyse

Um eine Wertstromanalyse erfolgreich durchzuführen, haben sich die folgenden Schritte und ihre Reihenfolge vielfach bewährt und sollten daher bei der Umsetzung von VSM eingehalten werden.

1. Produkt und Prozesse eingrenzen

Zunächst muss der jeweilige Analysebereich einer Wertstromanalyse eingegrenzt werden. Das entscheidende Kriterium hierfür ist das zu erwartende Verbesserungspotenzial, das beispielsweise durch Kundenrückmeldungen ermittelt und gewichtet werden kann.

2. Zusammenstellung des Teams

Im zweiten Schritt werden die Personen festgelegt, die im Team die Wertstromanalyse erarbeiten sollen. Die Teammitglieder müssen den betrachteten Prozess genau kennen und sollten außerdem bereits Erfahrungen mit VSM, Kaizen oder Six Sigma haben. Ideal sind kleine Teams mit nicht mehr als 4-6 Mitgliedern.

3. Prozessschritte ermitteln und beschreiben

Um die zugehörigen Einzelprozessschritte zu definieren, empfiehlt es sich, den gewählten Prozess mit allen Details vor Ort zu durchlaufen und parallel dazu die einzelnen Prozessschritte und Aktivitäten entlang des Prozesses zu benennen. Auf diese Weise lässt sich die logische und zeitliche Reihenfolge der Schritte ermitteln und erkennen, an welchen Stellen welche Daten und Informationen benötigt, genutzt und weitergegeben werden.

4. Daten und Kennzahlen zu den einzelnen Prozessschritten sammeln

Für jeden Einzelprozessschritt werden aussagekräftige Daten und Kennzahlen zur Bewertung, Problemanalyse und Identifikation der Verbesserungspotenziale ermittelt. Beispiele hierfür können Zeitbedarfe, Produktivitäten, Verbräuche, Fehler- und Ausschussraten oder die Anzahl von Mitarbeitern, Kunden o. Ä. sein.

5. Prozessvisualisierung

Nachdem alle relevanten Daten und Informationen zu den betrachteten Prozessen vorliegen, werden diese mit Hilfe der Wertstromanalyse-Symbole und -Bezeichnungen visualisiert und eindeutig beschriftet.

6. Auswertung des Prozesses und der Prozessdaten

Sobald ein Prozess visualisiert wurde, kann er im Detail analysiert werden, um Stärken und Schwächen, Potenziale und Risiken zu ermitteln. Im vorletzten Schritt wird daher der ausgewählte Prozess genau betrachtet und alle Prozessaktivitäten in den Bereichen Material- und Informationsfluss, Timeline, Operatoren usw. werden überprüft. Dazu wird für jeden Prozess geprüft, wo es zu Verschwendungen, Ausschuss, Nacharbeit oder anderen Störungen kommt und welche Ursachen ermittelt werden können.

7. Optimierung des Prozesses

Die Wertstromanalyse macht Schwachstellen und Optimierungspotenziale im Ist-Zustand des betrachteten Prozesses sichtbar. Aus diesen Informationen ergeben sich mögliche konkrete Maßnahmen, mit denen ein verbesserter Soll-Zustand erreicht werden kann. Dieser wird wie der Ist-Zustand in einem Wertstromdiagramm visualisiert.

Fragen und Antworten

Was ist eine Wertstromanalyse?

Wertstromanalyse oder Value Stream Mapping (VSM) ist eine Methode zur visuellen Darstellung des Ist-Zustands eines Prozesses in einem Flussdiagramm. Das Flussdiagramm stellt alle Prozess- und Arbeitsschritte mithilfe eines einheitlichen Symbolsystems dar. Auch zeitliche Zusammenhänge werden abgebildet, sodass der Prozess und die eingebundenen Ressourcen transparent und nachvollziehbar sind.

In welchen Bereichen wird die Wertstromanalyse eingesetzt?

Die Wertstromanalyse eignet sich grundsätzlich für viele Branchen und eine Vielzahl von Prozessdesigns. Erstmals wurde das Konzept 1950 bei Toyota in der Fertigung angewendet, doch es lässt sich auch auf Lieferketten und die gesamte Logistik anwenden. Serviceprozesse im Gesundheitswesen oder Dienstleistungssektor können ebenfalls mit dem Ansatz der Wertstromanalyse schrittweise optimiert werden.

Welche Ziele sollen mit einer Wertstromanalyse erreicht werden?

Mithilfe der Wertstromanalyse sollten Schwachstellen und Verbesserungspotenziale in Prozessen identifiziert werden. Die Methode wird auch verwendet, um die Qualität eines Prozesses anhand seines Beitrags zur Wertschöpfung zu bewerten, um außer der Wirtschaftlichkeit z. B. auch andere Erfolgsfaktoren wie die Kundenzufriedenheit zu steigern.

Erfahren Sie, wie Sie Ihre Prozesse noch effektiver gestalten.

Beratungstermin vereinbaren