Losgröße 1: Definition, Herausforderungen & Konsequenzen

Losgröße 1 – Definition

Unter dem Begriff der Losgröße wird eine Menge von Produkten oder Teilen verstanden, die zeitlich direkt hintereinander und damit ohne Unterbrechung der Fertigung hergestellt werden. Dieses sind in der Regel größere Stückzahlen, um eine mengengetriebene Kostendegression zu erreichen. Im Gegensatz dazu steht die Losgröße 1 (auch Losgröße eins), bei der es sich um eine kundenindividuelle Sonderanfertigung handelt. Daher stellt die Fertigung eines Produktes mit der Losgröße 1 die Produktion vor große Herausforderungen. Das Ziel einer Fertigung mit Losgröße 1 lässt sich jedoch in immer mehr Industriebereichen durch moderne Fertigungsverfahren, Automatisierungen und Digitalisierungen rentabel und wirtschaftlich umsetzen und wird daher in Zukunft an Bedeutung gewinnen.

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Trend zu Losgröße 1 – nur nicht in der Automobilindustrie

Die Begriffe Losgröße 1 und Industrie 4.0 stellen für immer mehr Industrieunternehmen und Branchen einen wichtigen Trend dar, der mit technischem und organisatorischem Aufwand möglichst effizient umgesetzt wird. Zu diesem Ergebnis kommt beispielsweise der vierte Deutsche Industrie 4.0-Index, für den im Auftrag der Unternehmensberatung Staufen rund 400 Industrieunternehmen in Deutschland befragt wurden. Eine Ausnahme zeigt sich dabei jedoch, denn die Losgröße 1 ist für die Automobilindustrie im Vergleich zum Durchschnitt der befragten Unternehmen ein weniger wichtiges strategisches Thema.

Als mögliche Ursache für die Skepsis wird in der Studie das Marken- und Produktverständnis der Automotivebranche angeführt, das auch stark individualisierte Produkte und die de facto gerade in der Automobilindustrie oftmals umgesetzte Losgröße 1-Fertigung als Teil der Serienfertigung bewertet. Für die Initiatoren der Studie ist jedoch fraglich, ob die deutsche Automobilindustrie dauerhaft bei dieser skeptischen Haltung gegenüber dem Thema Losgröße 1 bleiben kann und wird, zumal gerade auch in diesem Industriebereich eine zunehmende Internationalisierung stattfindet. So ist beispielsweise in Japan neben Kanban auch Losgröße 1 ein Thema, dem die dortigen Automobilisten vergleichsweise offen gegenüberstehen.

Losgröße X, Losgröße 1 und die optimale Größe

In traditionellen produzierenden Unternehmen liegt die optimale Losgröße fast immer bei einem Wert oberhalb von 1. Die Umrüstung von Maschinen und Anlagen kostet Zeit und Geld, daher ist das Ziel der innerbetrieblichen Losgrößenplanung, die Losgröße zu ermitteln, bei der das Verhältnis von Kosten und Nutzen möglichst optimal ist. Ziel der Losgrößenplanung war daher lange Zeit, die Anzahl von Produktvarianten möglichst gering zu halten und Kunden wenig oder keine Individualisierungsoptionen zu bieten. Hierzu wird in einem Modell die ideale Fertigungsmenge eines Produktes ermittelt, die sich durch maximale Kapazitätsauslastung, geringe Durchlaufzeiten und – damit verbunden – minimalen Rüst- und Produktionskosten auszeichnet. Hierfür stehen verschiedene mathematische Modelle zur Verfügung, etwa die Andlersche Losgrößenformel oder das Wagner-Within-Verfahren.

Durch den steigenden internationalen Wettbewerbsdruck wird es für produzierende Unternehmen jedoch zunehmend wichtiger, personalisierte Produkte anzubieten, bis hinunter auf die Losgröße 1.  Beispiele hierfür finden sich sowohl im B2B- als auch im B2C-Segment.

Technologische Voraussetzungen

Die Themen Automatisierung und Losgröße 1 sind eng miteinander verbunden. Zur Realisierung der kundenindividuellen Fertigung sind zudem folgende Technologien von hoher Relevanz:

  • Industrielles Internet of Things (IIoT), mit dessen Unterstützung in Echtzeit Daten von Produktionsanlagen, Produkten und der Logistik bereitgestellt werden.
  • Künstliche Intelligenz, die diese Daten interpretiert und Produktionsabläufe eigenständig optimiert.
  • Big-Data-Analysen, die ebenfalls KI-gestützt präzise Vorhersagen von Entwicklungen im Bereich Markt und Nachfrage zur Verfügung stellen und dafür unterschiedliche Datenquellen nutzen.
  • Robotik, die eine größere Flexibilisierung der Produktion ermöglicht und dabei die Produktionsgeschwindigkeit und -qualität erhöht.
  • Weitere Automatisierungen in der Logistik wie fahrerlose Transportsysteme (FTS), Roboter oder Lagerautomatisierungen.
  • Additive Produktionsverfahren wie der 3D-Druck, mit deren Unterstützung Sonderanfertigungen ohne Umrüstungen vorgenommen werden können.

Wie sieht ein Anwendungsbeispiel für Losgröße 1 aus?

Ein Unternehmen, das elektronische Leiterplatten für die industrielle Weiterverarbeitung fertigt, bekommt zunehmend Anfragen seiner Kunden zur Fertigung von individuellen Platinen und Bauteilen. Da die anfragenden Kunden zudem zu verstehen geben, dass sie diese Anfrage auch bei anderen Unternehmen auf dem Weltmarkt platzieren werden, empfiehlt der Vertrieb dringend, Strategien zu entwickeln, um den steigenden Kundenerwartungen zu begegnen.

Diese könnte etwa folgendermaßen aussehen: Durch die Vernetzung des Unternehmens mit seinen Lieferanten und Kunden beginnt der Fertigungsprozess nicht mehr wie bisher im Produktionsunternehmen, sondern vielmehr beim Kunden. Dieser kann sowohl die Bestände als auch die Auslastung der Produktion einsehen und zudem seinen Auftrag mit allen relevanten technischen Spezifikationen in elektronischer Form übermitteln.

Das ERP-System des Produktionsunternehmens generiert aus der Kundenbestellung automatisch den Produktionsauftrag, berechnet die Stücklisten für alle benötigten Bauteile und Materialien und generiert daraus automatisch Kommissionieraufträge im Lager oder Bestellungen bei Lieferanten. Sobald sämtliche Teile und Materialien verfügbar sind, erfolgt die Meldung an das Produktionsplanungs- und -steuerungsystem (PPS), in dem die benötigten Produktionskapazitäten reserviert werden.

Um die Produktion so autonom wie möglich zu steuern, werden die Bauteile mit RFID-Chips ausgestattet, die eine lückenlose Verfolgung und Automatisierung der einzelnen Arbeitsschritte ermöglichen. Sie werden also zu einem Smart Object, das autark mit Aktoren und Sensoren entlang der Produktionskette kommuniziert, um etwa Teile aus dem Lager just in sequence anzudienen und verarbeiten zu können. Abgeschlossene Arbeitsschritte werden per RFID automatisch an das ERP-/PPS-System gemeldet und sind damit sowohl für das produzierende Unternehmen als auch den Auftraggeber transparent.

Herausforderungen und Konsequenzen

  • Rüstkosten und -zeiten steigen, daher müssen sie genau beobachtet und aktiv gesteuert werden, um wirtschaftlich zu produzieren.
  • Prozesse werden mit kleineren Losgrößen komplexer.
  • Durchlaufzeiten für Fertigungsaufträge werden durch längere Liege- und Wartezeiten erhöht.
  • Der Aufwand im Lieferantenmanagement steigt.
  • Eine höhere Variantenvielfalt bedingt höhere Lagerbestände.
  • Der Umsatz steigert sich insbesondere zum Start der Fertigung mit Losgröße 1 meist in geringerem Maße als die Kosten.

Fragen und Antworten

Was ist die Losgröße?

Unter dem Begriff der Losgröße wird die Menge der gleichartigen Produkte und Teile verstanden, die ohne Unterbrechung der Produktion angefertigt werden.

Was ist Losgröße 1?

Die Losgröße 1 bezeichnet die Sonderanfertigung nach Kundenvorgaben. Die zu produzierende Anzahl von Produkten wird auf den Wert 1, also auf eine Individualfertigung reduziert.

Was versteht man unter der optimalen Losgröße?

Die optimale Losgröße stellt die Fertigungsmenge dar, bei der die Produktionskapazitäten unter wirtschaftlichen Aspekten bestmöglich ausgenutzt werden. Hierfür werden neben der Kapazität unter anderem auch die Durchlaufzeit von Aufträgen, die Rüstzeiten und -kosten sowie die gesamten Produktionskosten betrachtet.

Gründe für Losgröße 1?

  • Maximale Kundenorientierung
  • Stärkere Kundenbindung
  • Automatisierung der Produktion
  • Steigerung des Umsatzes

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