Lagerstrategien: FEFO, FIFO, LIFO, HIFO und LOFO

Was ist eine Lagerstrategie?

Eine Lagerstrategie, genauer eine Ein- und Auslagerstrategie, ist die mittel- bis langfristige unternehmensinterne Festlegung, wie ein Lager organisiert und bewirtschaftet wird. Sie orientiert sich an der übergeordneten Logistikstrategie und ist entscheidend dafür, wie effizient und wirtschaftlich ein Lager betrieben werden kann.

Die Lagerstrategie hat direkte Auswirkungen auf nachgelagerte Logistikprozesse und damit auf die Kosten und die Produktivität im Lager. Ebenso beeinflusst sie die bilanzielle Bewertung des Lagerbestands.

Durch die Lagerstrategie wird festgelegt, nach welchen Regeln die Güter im Lager in bestimmten Lagerbereichen ein- und ausgelagert werden. Üblicherweise wird sie in einem Lagerverwaltungssystem hinterlegt und steuert dann lagerinterne Vorgänge wie Ein- und Auslagerung, Umlagerungen sowie ggf. auch die Stichtags- oder permanente Inventur.

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Welche Ziele werden mit einer Lagerstrategie verfolgt?

Im Wesentlichen hat eine Lagerstrategien vier Ziele:

  1. Optimierung der Lagerbedienwege,
  2. gleichmäßige Auslastung der vorhandenen Lagerkapazität,
  3. Vermeidung der Überalterung von gelagerten Gütern sowie
  4. Minimierung der Betriebskosten.

Die Optimierung der Bedienwege für die Ein- und Auslagerung erhöht den Durchsatz im Lager und trägt dazu bei, die Zugriffs- und Kommissionierzeiten zu reduzieren.

Die gleichmäßige Auslastung der vorhandenen Lagerkapazität, die oft aus unterschiedlichen Lagerbereichen mit verschiedenen Lagerbedingungen besteht (z. B. Paletten, Kleinmengen, automatisiert, manuell), ist eine wichtige Vorleistung für die Planbarkeit von Leistungen und Kosten im Lager.

Bei Gütern, die eine begrenzte Haltbarkeit aufweisen, beispielsweise Lebensmittel oder Medikamente, spielt die Auslagerreihenfolge eine wesentliche Rolle. Durch eine angepasste Lagerstrategie lässt sich eine Überalterung (und damit der Anteil an Schwund im Lager) deutlich reduzieren – im günstigsten Fall auf oder nahe Null.

Die Reduzierung von Weg- und Kommissionierzeiten, die gleichmäßige Auslastung des gesamten Lagers auch über lange Zeit sowie die systemische Vermeidung von Schwund und Überalterung tragen dazu bei, die Personal- und Betriebskosten des Lagers zu minimieren und die Logistikkosten zu.

Welche Lagerstrategien sind in der Praxis relevant?

Auch wenn es eine Vielzahl von Lagerstrategien gibt, sind in der betrieblichen Praxis vor allem die folgenden sechs Strategien von Relevanz:

FEFO: First Expired – First Out

Bei dieser Strategie wird die Ware mit dem kürzesten Haltbarkeits- oder frühesten Ablaufdatum als Erstes wieder ausgelagert. Die FEFO-Strategie kommt vor allem bei verderblichen Gütern wie Lebensmitteln oder Pharmazeutika zum Einsatz, ebenso bei Saisonartikeln und vergleichbaren Gütern.

FIFO: First In – First Out

Die FIFO-Strategie wird am häufigsten praktiziert, weil sie durch bestimmte Lagertopografien (z. B. Durchlaufkanäle) auch technisch einfach umzusetzen ist. Ausgelagert wird hierbei jeweils aus dem Lagerplatz, an dem der Artikel bisher am längsten liegt.

LIFO: Last In – First Out

Auch die LIFO-Strategie lässt sich in jedem Lager ohne Umlagerungen realisieren. Dazu wird jeweils die Ware entnommen, die als Letztes eingelagert wurde. LIFO bietet den Vorteil, dass Kleinmengen einfach auf einem Lagerplatz mit einer größeren Menge und Lagerplätze auch mit mehreren unterschiedlichen Artikeln belegt werden können. Allerdings verbleiben ältere Bestände mit LIFO länger auf ihrem Lagerplatz, der im ungünstigsten Fall nie komplett geräumt wird.

HIFO: Highest In – First Out

Die HIFO-Strategie wird in der Lagerhaltung eher selten angewendet, da es sich – wie auch beim LOFO – vor allem um ein Bewertungsverfahren handelt. Bei dieser Strategie wird die Ware mit dem höchsten Wert zuerst entnommen. Das kann bei Lagergütern mit stark schwankenden Tagespreisen oder bei Rohstoffen, die durch eine länger andauernde Lagerung an Wert verlieren, eine sinnvolle Lagerstrategie sein.

LOFO: Lowest In – First Out

Auch die LOFO-Strategie, bei der Artikel mit dem geringsten Wert als Erstes wieder aus dem Lager entnommen werden, zählt zu den seltener genutzten Lagerstrategien. Sie eignet sich in der Regel nur als spezifische Strategie für bestimmte Produkte.

Chaotische Lagerhaltung

Bei der chaotischen oder auch dynamischen Lagerhaltung werden neue Wareneingänge beliebig auf freie Lagerplätze verteilt. Im Vergleich zu anderen Einlagerstrategien (z. B. mit Festplätzen oder Lagerzonen) wird in einem chaotischen Lager eine besonders hohe Auslastung erreicht.

Von welchen Faktoren hängt die Entscheidung für die optimale Lagerstrategie ab?

Die optimale Lagerstrategie hängt von etlichen Faktoren ab, die sich vielfach auch gegenseitig beeinflussen:

  • Welche Anforderungen stellen die Lagergüter an die Lagerung? (Größe, Gewicht, Anzahl, Lagerbedingungen, Haltbarkeit, Wert etc.)
  • Wie viel Platz steht im Lager zur Verfügung? (Anzahl Lagerplätze, Grundfläche etc.)
  • Welche Art von Lager soll bewirtschaftet werden? (Paletten, KLT, manuell, teil- oder vollautomatisiert, Hochregale, Durchlaufkanäle etc.)
  • Wie lange sollten die Bestände einzelner Artikel im Lager liegen?
  • Welche zusätzlichen operativen Funktionen werden im Lager absolviert? (z. B. Umpacken, Sendungen konsolidieren, Qualitätskontrollen etc.)
  • Welche Parameter im Lager sollen optimiert werden? (Wegzeitoptimierung, Bestandswertoptimierung, maximale Flexibilität, maximale Auslastung etc.)

In der Praxis werden Lagerstrategien darum häufig kombiniert (z. B. FIFO im Durchlaufregal und LIFO im Hochregallager) oder an interne und externe Veränderungen angepasst, etwa bei einer Veränderung des Lagersortiments. Dabei ist zu beachten, dass moderne Lagerverwaltungssysteme zwar unterschiedliche Lagerstrategien unterstützen und abbilden, Veränderungen jedoch oftmals physische Maßnahmen wie Umlagerungen und/oder Neuverpackung von Anbrüchen und Restmengen voraussetzen, um eine geänderte Strategie auch tatsächlich im Lager zu realisieren.

Aus diesem Grund ist es sinnvoll, die Lagerstrategie zunächst anhand von Kennzahlen (durchschnittliche Lagerdauer pro Artikel, Produktivitäten im Lager, Wegzeiten, Los- und Pickgrößen etc.) zu ermitteln und dann nachrangig im Lagerverwaltungssystem abzubilden.

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Die häufigsten Fragen zu Lagerstrategien

Was versteht man unter einer Lagerstrategie?

Die Lagerstrategie legt fest, nach welchen Regeln Güter eingelagert, im Lager kommissioniert oder vollständig wieder ausgelagert werden. Wahl und Umsetzung der Lagerstrategie beeinflussen die Wirtschaftlichkeit eines Lagers ebenso wie dessen Produktivität und (bilanziellen) Wert.

Welche Lagerstrategien gibt es?

In der Praxis werden vor allem folgende Lager- oder Belegungsstrategien genutzt: First Expired – First Out, First In – First Out, Last In – Last Out, Highest In – First Out sowie Lowest In – First Out. Auch die chaotische oder dynamische Lagerhaltung, bei der Güter auf einem beliebigen freien Lagerplatz eingelagert werden, wird häufig praktiziert.

Welche Lagerstrategie ist die richtige?

Die Entscheidung für eine oder mehrere Lagerstrategien hängt immer von verschiedenen Faktoren ab. Daher lässt sich diese Frage nicht pauschal beantworten. Hinweise zur Auswahl geeigneter Lagerstrategien finden sich weiter oben in diesem Artikel.

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