Just in Sequence: Definition, Erklärung, Vor- und Nachteile

Was bedeutet „Just in Sequence"?

Das Just in Sequence-Prinzip bezeichnet ein logistisches Konzept, das Teile der logistischen Leistungen vom produzierenden Endkunden auf einen oder mehrere Lieferanten verlagert. Das Ziel von Just in Sequence (JIS) ist die reihenfolgesynchrone Produktion. Dabei muss der jeweilige Lieferant nicht nur sicherstellen, dass die richtige Ware zum richtigen Zeitpunkt, in der richtigen Menge und zum richtigen Ort geliefert wird, sondern darüber hinaus auch in der richtigen Reihenfolge. JIS stellt damit eine Erweiterung des Just in Time-Lieferkonzeptes dar und zielt wie dieses auch darauf ab, die Lagerbestände beim Endverbraucher zu reduzieren – im günstigsten Fall auf oder nahe Null – und gleichzeitig die Produktionsfähigkeit sicherzustellen.

justinsequence

JIS wird vor allem in der Automotive-Branche genutzt, kommt aber auch im Maschinenbau, in der Luft- und Raumfahrt sowie bei Werften zur Anwendung. Das Prinzip ist überall dort gefragt, wo Produktionsprozesse einerseits durch eine zunehmende Komplexität gekennzeichnet sind und andererseits eine hohe Varianten- und Modellvielfalt produziert wird. In der Automobilindustrie werden beispielsweise unterschiedliche Varianten eines Modells (Coupé, Limousine, 3- oder 5-Türer etc.) jeweils in einem Werk gebaut, wobei für jede Schicht im Vorfeld eine exakte Produktionsplanung erfolgt. Diese wird dem Lieferanten mit einem gewissen Vorlauf (wenige Stunden oder Tage, selten länger) übermittelt, in der Regel auf elektronischem Wege. Der Lieferant übernimmt dann in seinem eigenen Lager die Kommissionierung und den Versand der einzelnen Bauelemente, die dann reihenfolgensynchron beim Endkunden angeliefert werden.

Das Just in Sequence-Prinzip lässt sich mit einer Perlenkette vergleichen, weil eine festgelegte und unveränderbare Auftrags- bzw. Fertigungsreihenfolge geplant und mithilfe der Lieferanten umgesetzt wird. Da der Endkunde nicht nur auf eigene Lagerbestände verzichtet, sondern zudem auch seine eigene Produktionsfähigkeit an die Leistung seiner Lieferanten koppelt, setzt eine dauerhaft erfolgreiche JIS-Strategie in der Regel voraus, dass sich die Lieferanten in unmittelbarer Nähe zur Produktion befinden, nicht selten sogar als externe Dienstleister auf dem Betriebsgelände. Zudem müssen sie technisch und personell entsprechend ausgerüstet sein, um bei Bedarf schnell reagieren zu können.

Voraussetzungen bzw. Anforderungen für Just in Sequence

Das JIS-Lieferprinzip eignet sich aufgrund der hohen Komplexität vor allem für Fertigungslinien von Großserien (Automobilbau) und stark serialisierte Produktionen (Schiff- oder Flugzeugbau). Da es für die Implementierung und Umsetzung hohe Anforderungen an Lieferanten und Produktion sowie den Daten- und Informationsaustausch zwischen beiden stellt, lohnt sich die Umstellung auf JIS nur dann, wenn entsprechend hohe Mengen produziert werden – und das idealerweise ohne Unterbrechungen in drei Schichten.

Die IT spielt bei JIS eine besondere Rolle, denn Lieferant und Produktionsunternehmen müssen alle erforderlichen Teile, Stücklisten und Produktionsvorgaben permanent synchronisieren und in der Lage sein, in beide Richtungen elektronisch zu kommunizieren. Der Produzent muss dem Lieferanten in regelmäßigen Zeitabständen valide und korrekte Informationen über die geplanten Produktionsmengen liefern und der Lieferant diese in seinem IT-System verarbeiten. Da der Lieferant die Lagerung der Artikel übernimmt, muss sichergestellt sein, dass jeder Artikel – ein kompletter Motorblock ebenso wie eine kleine Schraube – immer in der erforderlichen Menge und Qualität verfügbar ist und innerhalb des gewünschten Zeitfensters geliefert wird.

WHITEPAPER: Wie Sie die Basis für eine optimierte Supply Chain schaffen
WHITEPAPER: Wie Sie die Basis für eine optimierte Supply Chain schaffen
Digitalisierung als Basis für eine optimierte Supply Chain
Download

Zudem muss der Lieferant gerade bei komplexeren Bauteilen auch gewährleisten, dass ausreichende Ladungsträger vorhanden sind, um diese entsprechend den Anforderungen des Empfängers bereitstellen zu können. Denn während Kleinteile wie Verbindungselemente in Kartonagen oder Kleinladungsträger (KLT) passen, müssen z.B. komplette Getriebe oder Motorblöcke meist einzeln angeliefert werden, das jedoch unter Umständen zum gleichen Zeitpunkt und zum gleichen Verbauort.

Aus diesem Grund wird JIS in der Regel nur bei Tier1-Lieferanten genutzt, die wiederum von anderen Lieferanten per Just in Time oder auf Basis von Einzelbestellungen mit Nachschub versorgt werden. Die Tier1-Lieferanten befinden sich vielfach in unmittelbarer Nähe zum Endkunden, verfügen über einen eigenen Fuhrpark und ausreichende Lagerkapazitäten und arbeiten ausschließlich für diesen Endkunden. Nur so lässt sich gewährleisten, dass die Produktion auch ohne eigene Lagerbestände dauerhaft und ohne Unterbrechungen läuft.

Abgrenzung von Just in Sequence zu Just in Time (JIT)

Bei Just in Time wird auf eine Produktionsversorgung zum richtigen Zeitpunkt hin optimiert, um so die logistischen Grundprinzipien zu erfüllen: die richtige Ware zum richtigen Zeitpunkt in der richtigen Qualität und Menge am richtigen Ort.

Just in Sequence geht hier noch einen Schritt weiter. Denn nicht nur soll die richtige Ware jeweils bedarfsgerecht angeliefert und verfügbar gemacht werden, sondern unterschiedliche Artikel werden hierbei auch noch in der richtigen Reihenfolge geliefert.

Just in Time wird als Lieferprinzip in vielen Industrie- und Produktionsbetrieben und stellenweise auch im Handel genutzt. Hauptziele sind dabei die Reduktion von Lagerbeständen und eine bedarfssynchrone Produktion.

Just in Sequence kommt dagegen in komplexen Produktionsszenarien zur Anwendung, etwa bei der Fließfertigung von Fahrzeugen. Hier werden dann per JIS einzelne Bauelemente (z. B. Türen) oder auch komplette Baugruppen (z.B. Getriebe oder Kabelbaum) jeweils genau auf die Produktionsreihenfolge abgestimmt bedarfsgerecht und ebenfalls „in time“ angeliefert und direkt verbaut.

Was sind die Vor- und Nachteile des Just in Sequence-Konzepts?

Just in Sequence – Vorteile

  • Vermeidung von Lagerbeständen und damit keine Kapitalbindung im Lager
  • Deutlich geringerer Flächenbedarf, da keine Lagerhaltung erfolgt
  • Produktionsprozesse werden verschlankt und effizienter gestaltet

Just in Sequence – Nachteile

  • Deutlich höherer Abstimmungs- und Kommunikationsbedarf zwischen Lieferant und Abnehmer
  • Stärkere Abhängigkeit vom Lieferanten
  • Höheres Risiko für Ausfälle oder Verzögerungen in der Produktion aufgrund fehlender Lagerbestände

Die häufigsten Fragen zum Thema "Just in Sequence"

Was bedeutet Just in Sequence?

Bei Just in Sequence (JIS) werden Waren und Güter produktionsbezogen angeliefert, und zwar genau in der Menge und der Reihenfolge, wie sie in der Produktion benötigt werden. Es handelt sich damit um eine reihenfolgesynchrone Produktionsversorgung, bei der der Endkunde auf eigene Lagerbestände weitgehend oder vollständig verzichtet und dennoch eine hohe Variantenvielfalt bieten kann.

Mehr dazu erfahren Sie hier

Wie unterscheidet sich Just in Sequence von Just in Time?

Just in Time (JIT) zielt vor allem auf eine Reduktion der Lagerbestände ab, ohne dass hierbei auch die Produktion mit ihren Anforderungen in Bezug auf die Reihenfolge der angelieferten Artikel mit einbezogen wird. Bei Just in Sequence (JIS) wird genau dieser zusätzliche Schritt gemacht, weil auch die Bereitstellung, die bei JIT intern beim Abnehmer erfolgt, durch den Lieferanten übernommen wird.

Mehr dazu erfahren Sie hier

Was sind die Vor- und Nachteile des Just in Sequence-Konzepts?

Vorteile:

  • Verringerte Lagerbestände
  • Geringerer Flächenbedarf
  • Schlankere Produktionsprozesse

Nachteile:

  • Erhöhter Abstimmungsbedarf mit Lieferanten
  • Stärkere Abhängigkeit von Lieferanten
  • Höheres Ausfallrisiko
jis

Erfahren Sie, wie Sie Ihre Prozesse noch effektiver gestalten.

Beratungstermin vereinbaren