Lange Zeit galt das Yard Management als die SAP-Lösung für die Verwaltung von Hofaktivitäten in einem Unternehmen. Als eine integrative Komponente vom SAP EWM wurde das Yard Management zusammen mit anderen Elementen der SAP Supply Chain Execution Plattform jahrelang sukzessiv weiterentwickelt, um den zunehmenden Anforderungen im Bereich Digitalisierung gerecht zu werden. Nun wurde mit dem Release von SAP Yard Logistics der nächste große Schritt in diese Richtung gemacht.

Doch was heißt das genau für die Anwender? Welche Vorteile bringt das neue SAP-Modul und kann das „gute alte“ Yard Management hier noch mithalten? Lassen Sie uns einen kurzen Blick auf die neue Lösung werfen und versuchen, diese Fragen zu beantworten.

Systemlandschaft und UI-Möglichkeiten

Während das Yard Management als eine EWM-Komponente ausgeliefert wird und somit in Kombination mit EWM sofort einsatzbereit ist, kann das Yard Logistics sowohl als Teil vom SCM-Suite als auch als Stand-Alone-Lösung betrieben werden. Dieser Ansatz trägt zu größerer Flexibilität bei der Einführung von Yard Logistics bei und ist vor allem für die Integration mit den Legacy-Lösungen vorteilhaft.

Des Weiteren kommt mit Yard Logistics ein anderes SAP-Produkt zum Einsatz, und zwar das SAP Visual Business. Diese Lösung ermöglicht eine 3D-Darstellung von eigenem Yard, die durch Verwendung von unterschiedlichen GeoMap APIs ein sehr präzises Bild über die Hofaktivitäten liefern kann.

Neben SAP Visual Business findet auch die UI5-Technologie ihren Einsatz im Yard Logistics. So werden beispielsweise bereits im Standard Fiori-Apps für die Ausführung von den Yard-Aufgaben ausgeliefert und müssen nicht, wie beim Yard Management, selbst entwickelt werden.

Prozessabbildung

Aus Prozesssicht stellt SAP Yard Logistics eine multimodale Yard-Verwaltungslösung dar. Das heißt, dass im Vergleich zum Yard Management, womit gewöhnlich nur die Komponenten des Straßengüterverkehrs abgebildet werden, im Yard Logistics auch die Elemente des Schienengüter-, Frachtschiff- sowie Luftfrachtverkehrs einfacher abbildbar sind. Dies ist mithilfe von überarbeiteten Transporteinheits-Hierarchien sowie deren Klassifizierung möglich.

Da innerhalb eines Yards nicht nur physische Bewegungen stattfinden, sondern auch weitere Aktivitäten vorhanden sind, werden Prozesse und Dienstleistungen wie die Inspektion oder Reinigung von Containern auch vom Yard Logistics nativ unterstützt.

Darüber hinaus wird die Rolle des Fahrers im neuen System anders als im Yard Management dargestellt. Dieser kann sich beispielsweise mithilfe des eigenen Handys und einer Fiori-App selbst im System registrieren und somit die Datenerfassung beim Check-in und in weiteren Prozessschritten wesentlich vereinfachen und beschleunigen. Auch die Benutzung von Pagern bzw. der Nachrichtenaustausch durch SMS wird von Yard Logistics standardmäßig unterstützt.

Diese Art der Integration lässt sich weiterhin bei der Einbindung von externen Frachtführern wiederfinden, da SAP Yard Logistics eine vollständige Integration mit SAP Dock Appointment Scheduling anbietet, das zwar auch mit dem Yard Management möglich ist, dessen Umfang allerdings nur auf die Basisfunktionalität beschränkt ist.

Internet of Things

Im SAP Yard Logistics wird die Wichtigkeit des Themas „Internet of Things“ deutlich. Es war schon immer möglich, durch die Verbindung von einem EWM-System mit der SAP HANA Cloud Plattform eine technische Basis für die Eigenentwicklungen im Bereich IoT zu schaffen, nun wird aber die Integration von unterschiedlichen Geräte- und Nachrichtentypen im Yard Logistics zum Standard.

Somit lässt sich nicht nur die Einbindung von unterschiedlichen Sensoren, GPS-Geräten und RFID-Tags schneller und einfacher gestalten, sondern auch die damit verbundene Datenauswertung, die sowohl im Yard Logistics als auch in der SAP HANA Cloud Plattform durchgeführt werden kann.

Nur Yard Logistics ab sofort?

Unabhängig davon, ob die technischen oder prozessbezogenen Aspekte von SAP Yard Logistics mit SAP Yard Management verglichen werden, bietet das Yard Logistics in den meisten Fällen immer etwas mehr. Neuer UI-Ansatz, flexible Architektur, Unterstützung von komplexeren Prozessen sowie das native Internet of Things werden mittel- und langfristig dazu beitragen, dass Yard Logistics sich mehr und mehr zum Standard in der Hofsteuerung etablieren wird.

Dies muss allerdings nicht zwingend das Ende vom Yard Management bedeuten. Denn in Szenarien, in denen nur ein EWM-System zur Verfügung steht und keine unnötigen und komplexen Transportstrukturen abgebildet werden müssen, ist das Yard Management nach wie vor eine gute Wahl.

 


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