Qlik Sense vs. SAP Lumira – Wer macht das Rennen?

Zwei herausragende Business Intelligence (BI) Tools kämpfen aktuell um die Gunst der Nutzer: SAP Lumira und Qlik Sense. Doch wer hat im direkten Vergleich die Nase vorn? Was sind die ausschlaggebenden Faktoren für den effizienten Einsatz eines BI-Tools? Welches Tool fördert den optimalen Workflow zwischen Fachbereich und IT? Ich habe mir die beiden Tools näher angeschaut und möchte Sie mit folgendem Artikel bei der Wahl der passenden BI-Architektur unterstützen.

Qlik Sense ist seit 2014 auf dem Markt und hat eine markante Marktstellung eingenommen. Nicht ohne Grund: Das Produkt Qlik Sense setzt den Fokus auf Self-Service BI und ermöglicht schnell umsetzbare Berichte und Analysen. Hierbei wird der Standardumfang schlank gehalten, sodass der enge Rahmen durchaus Einschränkungen bei speziellen Layout- und Design-Wünschen zur Folge haben kann. Geschwindigkeit der Ladeläufe sowie eine ausgeklügelte InMemory-Technologie sorgen in der Praxis für ein flinkes Auswertungstool – selbst bei Tausenden von Datensätzen.

Lumira 2.x ist das Ergebnis einer Bündelung verschiedener BI-Tools der SAP. Damit stellt die SAP einen bemerkenswerten Konkurrenten zu Qlik auf dem Markt, der sich stark an den heutigen Anforderungen von IT und Fachbereich orientiert. Die Anbindung an relationale oder OLAP-Datenbanken sowie an die bestehende SAP-Landschaft via BICS und BI-Universen gestaltet die Einsetzbarkeit des Tools flexibel. Die Anbindung an InMemory-Datenbanken wie z. B. SAP HANA liefert hierbei eine starke Performance.

Self-Service BI

Mit Self-Service BI können Endanwender selbstständig Analysen und Berichte erstellen, ohne auf die Unterstützung von Entwicklern oder IT-Experten angewiesen zu sein.

Qlik Sense ist strategisch stark auf Self-Service ausgerichtet. Mitarbeiter des Fachbereichs können mit geringem Einarbeitungsaufwand schnell einfache Visualisierungen erstellen und diese z. B. als Anforderungsdemonstration der IT zur Verfügung stellen. Auch Lumira ist intuitiv bedienbar und ermöglicht die Gestaltung per Drag & Drop. Die Verteilung an die Zielpersonen kann über die SAP BI-Plattform erfolgen, sodass beispielsweise der Empfänger die Berichte für gemeinsame Meetings aus seiner Inbox aufrufen kann.

1.Zwischenbilanz:
Beide Tools beherrschen Self-Service BI und unterscheiden sich primär in der Bedienbarkeit und dem Ablauf zum Verteilen der Berichte.


Standard- vs. Anforderungsumfang

Bei der Demonstration von BI-Tools wird oft die Schnelligkeit der Berichterstellung in den Vordergrund gestellt. Hierbei werden Standardszenarien – „Lean Solutions“ – demonstriert und diese mit den gegebenen Boardmitteln umgesetzt. In der Praxis sind die Anforderungen jedoch oft wesentlich komplexer, wie etwa ein durchgängiges Corporate Design sowie nahezu pixelgenaue oder dynamische Positionierungen von Objekten.

Qlik Sense bietet einen Standardumfang für die meist genutzten Visualisierungen wie z. B. Linien-, Balken- und Punktediagramme. Die Positionierung erfolgt über ein Raster. Möchte man unabhängig von diesem Rahmen sein, kann dies durch Webtechnologien und die Erstellung von sogenannten Mashups erfolgen. Dies erfordert fundiertes Know-how im Bereich der Web-Entwicklung.

Auch Lumira bietet einen ausgereiften Funktions- und Visualisierungsumfang. Zusätzlich können individuelle CSS–Styles für eigene Styles und Designs verwendet werden. Und sollte das nicht ausreichen, kann der Funktionsumfang über Lumira SDKs für die Entwicklung und Nutzung von Extensions erweitert werden. Auch hierbei sind fundierte Kenntnisse in den Bereichen HTML, JavaScript, CSS und jQuery erforderlich.

2.  Zwischenbilanz:
Beide Tools bieten einen Standardumfang, der für viele Erfordernisse ausreichend ist. Komplexere Anforderungen erfordern bei beiden Systemen einen größeren Aufwand hinsichtlich individueller Gestaltung bzw. Programmierung von Erweiterungen. Im direkten Vergleich im Bereich Layout fällt auf, dass Lumira durch die Einsetzbarkeit eigener CSS-Styles die schlankere Lösung bietet.

Mobile Device Support

In vielen Unternehmen ist Responsive Design bereits eine Basisanforderung. Man möchte flexibel und im Idealfall geräteunabhängig immer die optimierte Darstellung geboten bekommen. So passen sich auch Berichte und Sheets, die mit Qlik Sense angefertigt werden, in der Darstellung automatisch dem jeweiligen Endgerät an.

Für Lumira gilt: Eine automatische Ausrichtung ist hier noch nicht implementiert. Die Applikation muss zur optimalen Darstellung auf mobilen Endgeräten mit Responsive-Design-Komponenten (sog. adaptives Layout) oder alternativ mit CSS-Styles aufgebaut werden.

3. Zwischenbilanz:
Beide Tools sind in dieser Disziplin einsatzbereit. Während Qlik Sense eine automatische Darstellung für mobile Endgeräte aufweist, kann diese in Lumira manuell implementiert werden.


Performance

In Zeiten von Ad-hoc-Analysen und Echtzeitdaten sind geringe Ladezeiten ein entscheidendes Kriterium. Hierbei ist die für den Endbenutzer „gefühlte“ Wartezeit auf die eigene Interaktion entscheidend. Wie lange muss ich warten, wenn ich eine Datei bzw. eine App starte, bis die Analysen angezeigt werden? Wie lange dauern Filteraktionen? Wie flüssig ist die Bedienung von interaktiven Charts, insbesondere im Big-Data-Umfeld?

Die Datenhaltung in Qlik Sense wird direkt über eine In-Memory-Technologie gelöst. Daten sind beim Öffnen der App bereits vollständig geladen. Die Ladezeiten werden bei Aktionen wie z. B. der Filterung sehr gering gehalten und sind je nach Datenquantität kaum spürbar. Für Big-Data-Szenarien können On-Demand-Apps genutzt werden, die ausschließlich den aktuell vom User angeforderten Datenextrakt anzeigen.

Bei Lumira ist die Technologie der Quelldatenbank entscheidend. Daten werden erst dann angezeigt und aufbereitet, wenn diese zur Anzeige notwendig sind. Hier profitiert Lumira enorm von In-Memory-Datenbanken wie SAP HANA oder anderen entsprechenden Datenbank-Lösungen.  Die Performance ist vergleichbar mit der von Qlik Sense – messbare Unterschiede ergeben sich im Einzelfall und sind abhängig von der Bedienung und dem Einsatz der Analysen.

4. Zwischenbilanz:
Während Qlik Sense grundsätzlich auf die In-Memory-Technologie setzt, ist bei Lumira das vorhandene Backend ein wesentlicher Faktor für eine gute Performance. Dass bei Lumira die Daten nicht vorab geladen werden, sondern den jeweils aktuellen Datenstand des Quellsystems widerspiegeln, kann ein Vorteil in Bezug auf Echtzeitfähigkeit sein.


Fazit: Es ist ein Kopf-an-Kopf-Rennen

Die betrachteten Faktoren zeigen, dass sowohl Qlik als auch SAP mit Lumira im BI-Umfeld einen praxisorientierten Weg einschlagen. Schwergewichtige Anforderungen im täglichen Einsatz von BI-Anwendungen können mit den Boardmitteln beider Tools umgesetzt werden. „Lean Solutions“ sind sowohl mit Qlik Sense als auch mit Lumira schnell umsetzbar. Gerade Fachbereichsanwender profitieren dabei von der intuitiven Bedienbarkeit und können schnell Lösungen umsetzen. Auch komplexe Funktionen, Visualisierungskonstrukte bzw. Layout-Regeln sind mit beiden Tools realisierbar, erfordern allerdings ein Grundmaß an technischer Expertise und damit zusätzlichen Entwicklungsaufwand.

Auf Basis welcher weiteren Kriterien kann eine Entscheidung erfolgen? Wichtig ist in jedem Fall das bestehende Systemumfeld. Ist bereits SAP, insbesondere SAP HANA im Einsatz, kann Lumira optimal an die Systemlandschaft angebunden werden. Qlik Sense kann via Connectoren auf eine Vielzahl von Quellen zurückgreifen, jedoch erfordert der Einsatz von Qlik Sense immer eine eigene Architektur-Landschaft und direkt zugeordnete Ressourcen.

Meine klare Empfehlung an dieser Stelle: Behalten Sie immer die firmendefinierte IT-Strategie – den Masterplan – fest im Blick. Beobachten Sie den Markt und entscheiden Sie im Sinne der Unternehmensziele, welche zukunftsorientierten Produktentwicklungen eine langfristige Tragfähigkeit Ihrer IT-Strategie und damit den nachhaltigen Erfolg Ihres Unternehmens garantieren können.

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