Planning Analytics Workspace: Das neue Tool für den Planer von morgen?

Als Ende 2016 IBM Planning Analytics auf den Markt kam, wollte IBM ihre etablierte Datenbanktechnologie Cognos TM1 für einen neuen Markt öffnen. Das aktuelle Schlagwort Self-Service BI adressiert IBM mit dem Planning Analytics Workspace (kurz PAW). Gleichzeitig soll dieser den Architect und den Performance Modeler als Modellierungswerkzeug ablösen und eine neue moderne Oberfläche bieten. Wir haben das Tool etwas näher unter die Lupe genommen.

Unser erster Eindruck

Der Ansatz über ein externes Tool, das über eine REST-konforme Schnittstelle mit der Datenbank kommuniziert, ist ein großer Vorteil. Die bekannte Datenbank bleibt größtenteils unangetastet und bringt immer noch ihre Komponenten wie Architect und TM1-Web mit. So ist eine Migration von TM1 zu Planning Analytics problemlos möglich. Sie müssen keinen großen Sprung ins Ungewisse wagen, sondern können die neuen Möglichkeiten im eigenen Tempo selbst erschließen. Wer allerdings neue Funktionalitäten wie mehrere Hierarchien je Dimension nutzen will, kommt um den Workspace nicht herum.

Vor einem Jahr haben wir uns erstmals tiefgreifend mit dem neuen Tool beschäftigt. Nach einer sehr holprigen Installation war der erste Eindruck zusammenfassend eher ernüchternd. Aufgrund der monatlichen Updates mit teilweise recht umfangreichen Patchnotes haben wir uns das Tool also erneut angesehen und hinterfragt, was sich im vergangenen Jahr getan hat. Da der Workspace mehrere Rollen ausfüllen soll, ist er aus zum Teil sehr unterschiedlichen Blickwinkeln zu betrachten.

Warum die Einfachheit Schwächen hat

Als Self-Service Tool ist der Planning Analytics Workspace leicht zu bedienen. Viele Funktionalitäten werden mitgeliefert, wie zum Beispiel die Synchronisierung von verschiedenen Elementen. Wo wir vorher in TM1 Anwendungszellen definieren und die Bezüge manuell anpassen mussten, damit das Jahr an einer zentralen Stelle des Datenblatts eingestellt wird, können wir heute zwei Ansichten nebeneinanderziehen und die Synchronisation einschalten.

Diese Einfachheit ist eine Stärke und Schwäche des Planning Analytics Workspace zugleich. Denn dadurch bleibt wenig Spielraum in Richtung Komplexität. Möchten Sie in einem zweiten Block immer automatisch das vorhergehende Jahr im Vergleich zum ersten Block anzeigen, ist das in den klassischen Webanwendungen mit wenig Mehraufwand machbar. Im Workspace bedeutet das bereits das Aus der Synchronisation. Dieses Problem zieht sich durch viele der Funktionen.

Der Workspace spielt daher seine Stärken vor allem bei Nutzern aus, die nicht basteln, sondern schnell und unkompliziert Daten einsehen und analysieren wollen, was wohl die größte Zielgruppe abdeckt, wenn es um Self-Service geht. Dank der mobilen Oberfläche ist es möglich, unterwegs mal schnell mit einem Tablet einen Blick auf die Planung zu werfen. Und ein übersichtlicher und ansprechend aufbereiteter Planungsbericht für den CEO ist ebenfalls schnell erstellt. Doch für komplexere Applikationen ist TM1 Web nach wie vor erste Wahl, da dem Workspace aktuell noch die nötigen Funktionen fehlen.

Als wir den Workspace als Modellierungstool nutzen wollten, waren wir ähnlich hin- und hergerissen. Was hier jedoch noch mehr am Entwicklungsstand liegt als beim Self-Service. Beim ersten Blick in die 22er-Version konnten wir noch keine Prozesse editieren. Nach einigem Ausprobieren kamen wir auf die Auflösung, als wir ein wenig später in die Patchnotes geschaut haben und der Prozesseditor in Version 23 eingeführt wurde.

Fazit

Noch springe ich immer mal wieder zurück zum Architect, da die eine oder andere Funktionalität im Workspace fehlt. Manchmal aber auch einfach aus Gewohnheit. Doch es tut sich viel, und der Workspace entwickelt sich sukzessive zu einer potenten Alternative zum bekannten Architect. Auch Punkte wie der Umgang mit mehreren benannten Hierarchien je Dimension, die mit IBM Planning Analytics eingeführt wurden, sprechen für den Planning Analytics Workspace. Zudem wurden alte Wünsche wie Codehighlighting und eine eingebaute Funktionsdatenbank erfüllt, welche die Entwicklung durchaus angenehmer gestalten.

Im Vergleich zum Performance Modeler, der eigentlich der offizielle Nachfolger des Architect werden sollte, ist IBM hier wieder zurück zu den Wurzeln gegangen. IBM hat Altbewährtes übernommen und ergänzt, wodurch der Planning Analytics Workspace trotz mancher Kinderkrankheiten bei der Bedienbarkeit punkten kann. Wir zumindest haben uns damit sofort zurechtgefunden und konnten gleich mit dem Experimentieren loslegen.

Wir sind uns sicher, dass die monatlichen Updates noch deutliche Verbesserungen bringen werden. Noch ist das Tool neu, und es fehlt entsprechend an Tiefe und teilweise an Stabilität, die wir von alten Tools wie den  TM1-Webanwendungen gewohnt sind. Diese lassen sich zwar in den Workspace einbinden, für meinen Geschmack aber eher schlecht als recht. Die hohe Updatefrequenz stimmt uns aber positiv, dass IBM die Arbeit am Workspace weiter vorantreibt und das Tool in nicht ferner Zukunft sein Potenzial ausschöpfen kann.

 

 

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