Moderne Analytics im Lager – Herausforderungen und Chancen

Daten sind das Öl unserer Zeit, der wertvollste Rohstoff. Doch wie können wir die Datenflut im Lager beherrschen – so komfortabel, wie wir es vom Smartphone her gewohnt sind?

Globalisierung ist fast ein Problem von gestern, heute gibt es neue drängende Themen. Nicht nur fachlich, auch technisch ist die moderne Welt schneller im Wandel, als je zuvor. Im Zusammenhang mit IT im Bereich der Supply Chain drängen sich sofort einige Schlagworte auf: Mobile Endgeräte, Big Data, IoT – das Internet der Dinge, Industrie 4.0, Logistik 4.0, die digitale Transformation, Machine Learning, Predictive Maintenance und mehr. Der richtige Umgang damit ist entscheidend.

Mobile Endgeräte prägen den Alltag. So haben beispielsweise E-Book-Reader, Handys und Tablets die klassische Zeitung im öffentlichen Nahverkehr fast völlig verdrängt. Der Siegeszug der mobilen Apps hat auch dazu geführt, dass die Anwender gesehen haben, wie einfach und intuitiv sich Software bedienen lassen kann. Dies erwarten sie nun auch im Geschäftsleben. Um komplizierte Funktionen übersichtlich und ansprechend darzustellen, sollte beim Applikations-Design einiges beachtet werden: Funktionalität allein steht nicht mehr im Mittelpunkt, Apps müssen intuitiv verständlich und leicht bedienbar sein. Die User Experience muss entsprechend hoch sein, um der Erwartungshaltung gerecht zu werden.

Eine der größten Herausforderungen der Big Data liegt in der Verwaltung der zahlreichen Informationen, um nicht im Data Lake unterzugehen. Doch hierin liegt auch ein großes Potenzial: „Data is the new Oil.“ sagte Richard Titus – heute CEO von SAMSUNG – bereits im Jahr 2010. Gemeint ist: Daten sind der Rohstoff der modernen Welt. Die Chance besteht darin, diesen Rohstoff zu veredeln. Heißt: Big Data muss in Smart Data transformiert werden, um dann gewinnbringend eingesetzt zu werden.

Im nächsten Schritt müssen wir in Zeiten wachsenden Online-Handels und hohen Wettbewerbsdrucks lagerrelevante Prozesse optimieren. Denn nur mit einer idealen Lagerorganisation wird die Fehleranfälligkeit, beispielsweise falsch einsortierte Artikel, gesenkt und es kann schneller kommissioniert werden.

Optimierung der Laufwege im Baumarkt – ein Beispiel aus dem echten Leben

Das Wohnzimmer soll gestrichen werden und dann geht es in den Baumarkt. Dort gehen Sie in die Farbenabteilung. Anschließend geht es weiter zu den Abdeckfolien, den Pinseln, Rollen und Reinigungsmittel. Rasch einen Baumarktmitarbeiter befragt und leider nochmal zurück in den Gang mit den Farbeimern – die Reinigungsmittel stehen gleich daneben. Hätte uns ja auch früher auffallen können! Wunderbar, jetzt ist alles da. Aber … eigentlich könnte man noch gleich Katzenfutter für Miezi mitnehmen. Das gibt es praktischerweise auch im Baumarkt. Allerdings im Gang neben den Pinseln und Rollen. Schließlich haben Sie alles und mit vollem Wagen geht es quer durch den Baumarkt zur Kasse. Summa summarum sind Sie viele Meter mehr als nötig gelaufen.

Stellen Sie sich jetzt vor, eine Baumarkt-App zeigt Ihnen nicht nur Preis und Lagerort der Produkte, sondern auch die für Ihren Einkaufszettel optimale Route und Navigation an.

Um die ideale Produktplatzierung zu ermöglichen, könnte der Baumarkt vorab durch Langzeit-Analysen seiner Kunden- oder Bewegungsdaten festgestellt haben, dass in den Osterferien der größte Bedarf an Malerartikeln besteht, weil der Frühjahrsputz bei vielen in der Ferienzeit stattfindet. Lokale Wetterdaten sagen für die kommende Woche das ideale Wetter voraus, um die nasse Farbe bei offenen Fenstern trocknen zu lassen. Es wird folglich ein Run auf den Malerbedarf prognostiziert. Dementsprechend hat der Baumarktleiter nicht nur ausreichend Ware geordert, sondern auch im Vorfeld, zu Zeiten mit geringem Kundenaufkommen, das Sortiment so reorganisiert, dass für den größten Bedarf kurze Wege zum Ziel führen – ohne dass sich Kunden gegenseitig auf die Füße treten. Eine weitere Analyse hat ergeben, dass viele Kunden zur selben Zeit auch für ihre Haustiere einkaufen werden, so dass Tierbedarfsprodukte in der Nähe der Kasse positioniert wurden.

Ist die Baumarkt-App jetzt auch noch einfach zu bedienen, gehen Sie auch zukünftig gerne dort einkaufen. Und auch der Baumarkt hat sein Ziel erreicht. Er hat den größtmöglichen Umsatz erreicht, da die nachgefragte Ware rechtzeitig vorrätig war und alles am richtigen Fleck vorzufinden war.

Lässt sich das wirklich auf mein Lager übertragen?

Ja! So unterstützt beispielsweise das SAP Extended-Warehouse-Management-System (SAP EWM) bei der Abwicklung von Warenbewegungen, der Verwaltung von Lagerbeständen und dem Ablauf logistischer Prozesse innerhalb des Lagers.

Für die Überwachung beinhaltet es einen Lagerverwaltungsmonitor, der Informationen über die aktuelle Situation im Lager zur Verfügung stellt, ein Lagercockpit, in dem sich grafische Elemente mit dem sogenannten Easy Graphics Framework darstellen und in Teilen anpassen lassen, sowie ein Fiori Launchpad, das die Übersichtlichkeit von Fiori-Kacheln mit Absprungmöglichkeiten in entsprechende EWM-Transaktionen vereint. Es sind auch Reports vordefiniert, die mit dem SAP-BI-Tool Crystal Reports und etwas Aufwand angepasst werden können, um eine individuellere Reporting-Lösung zu erstellen.

Wahrscheinlich hat auch der Baumarktleiter aus dem Beispiel oben diese oder eine ähnliche Software im Einsatz. Wie geschildert ist es heutzutage aber nicht ausreichend, die Waren nur zu bewegen und über den aktuellen Stand informiert zu sein. Für Analysen, die über Monitoring und Reporting hinausgehen, für den größtmöglichen Individualisierungsgrad und für die maximale User Experience benötigen Sie individuell erstellte Applikationen. Hierfür eigenen sich die SAP-BI-Tools Lumira und Analytics Cloud.

Vielseitige Analysemöglichkeiten

Damit werden Langzeitanalysen und Auswertungen historischer Daten möglich. Im Baumarkt-Beispiel erkannte der Baumarktleiter durch derartige Analysen den Zusammenhang von Frühjahrsputz und Ferien. Durch Langzeitanalysen seiner Kundendaten konnte er den idealen Zeitpunkt für die Reorganisation seiner Waren eruieren.

In der folgenden Grafik wird exemplarisch eine Auswertung von zwei Jahren dargestellt, die mit SAP Lumira erstellt wurde. Um die Reorganisation des Lagers zu planen, wird hiermit die Frage beantwortet, wann welcher Lagertyp wie stark ausgelastet ist.

Abb. Wann ist das Lager wie stark ausgelastet?

Abb. Wann ist das Lager wie stark ausgelastet?

 

Abgebildet ist die Summe der Bewegungen pro Zone und Uhrzeit – unabhängig vom Wochentag. Auf einen Blick ist zu erkennen, dass in diesem Lager um 14 Uhr die meisten Bewegungen und zwischen 18 und 21 Uhr die wenigsten Bewegungen stattfinden. Eine Reorganisation sollte folglich in die Zeit nach 18 Uhr gelegt werden. Ist die Situation übersichtlich, hat das der erfahrene Lagerleiter vermutlich im Gefühl. Eine Analyse kann helfen, dieses Bauchgefühl mit Fakten zu belegen. Vergleiche der einzelnen Wochentage oder der jeweiligen Lagertypen liefern hierzu detailliertere Informationen. In komplexeren Beispielen ist das Bauchgefühl notgedrungen überfordert und kann die Lösung nicht mehr zuverlässig „erahnen“.

Weiter werden zusätzliche Datenquellen, insbesondere auch NON-SAP-Systeme integriert und ausgewertet. Dadurch entstehen weit vielfältigere Analysemöglichkeiten. In unserem Baumarkt wurde durch Einbeziehen von Online-Wetterdaten nicht nur die Prognose zum vermehrten Malerbedarf bekräftigt, sondern zeitlich auch präziser planbar.

Corporate Design und Corporate Identity können in die Anwendungen integriert werden und Self Service durch den Fachanwender wird möglich. Mobile Endgeräte lassen sich überall und personenunabhängig einsetzen. Geben Sie das Tablet beispielsweise einfach der urlaubs- oder krankheitsbedingten Vertretung mit auf den Weg. Die intuitive Usability erleichtert das Arbeiten mit der Applikation und steigert die Freude an der Arbeit.

In unserem Baumarkt könnte auf jedem Einkaufswagen ein Display befestigt sein. Auf Wunsch wird die Einkaufsliste vom Handy des Kunden übertragen und in einem Rahmen, der optisch dem Corporate Design des Baumarkts entspricht, läuft die Navigation ab.

Gemeinsam in die Zukunft

Es sind die individuell gelagerten Fragestellungen und Wünsche, auf die es ankommt. Die Details müssen analysiert, Lösungen gemeinsam erarbeitet und kontinuierlich mit Blick auf aktuelle Trends abgestimmt werden. Als noch vor wenigen Jahren Mitarbeiter mit Packzetteln zu den Regalen gingen, um Waren zu kommissionieren, war unvorstellbar, was heute Realität ist: Tatsächlich werden ganze Regale von Robotern zum Kommissionieren zu den Mitarbeitern gefahren.

In diesem komplexen Umfeld sind Sie nur mit individuellen Lösungen gut für die Zukunft aufgestellt. Die Kombination aus fachlicher und technischer Expertise ist dafür die Voraussetzung. Legen Sie diesen Grundstein schon heute, denn die Zukunft wartet nicht!

 

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