Custom Code Management: Verwaltung von kundeneigenen Entwicklungen

Teil 1 – Voraussetzungen

Da der SAP-Standard nicht alle Kundenanforderungen abdecken kann, ist es für die Erfüllung bestimmter Anforderungen notwendig, eigene Software zu entwickeln. Genau darin liegt auch der Wettbewerbsvorteil von Unternehmen, die diese Eigenentwicklungen notwendig machen.

Doch je höher der Anteil an kundeneigenen Entwicklungen ist, desto mehr Aufwand liegt in deren Pflege. Oft wird diese Software nicht oder nicht vollständig dokumentiert, und die Qualitätssicherung obliegt dem Kunden selbst. Die Erfahrung zeigt, dass der Überblick über die Anzahl der kundeneigenen Objekte immer häufiger fehlt. Genauso wie Informationen dazu, wie und ob ein kundeneigenes Objekt eingesetzt wird.

Mit dem Custom Code Management (CCM) im SAP Solution Manager werden einige Cockpits und Tools bereitgestellt, die dabei helfen, kundeneigene Entwicklungen über den gesamten Software-Lebenszyklus zu verwalten und zu überwachen. So können Sie die kundeneigenen Objekte identifizieren, die Sie tatsächlich benötigen. Damit ist eine volle Kontrolle über den gesamten Lebenszyklus von kundeneigenen Entwicklungen möglich.

In diesem Teil zeige ich Ihnen die Voraussetzungen auf, die erfüllt sein müssen, damit die verfügbaren Funktionen im CCM genutzt werden können. Diese Funktionen werde ich in Kürze in einem zweiten Blogbeitrag vorstellen.

Um die Daten für das Custom Code Management zu sammeln, kann das Usage and Procedure Logging (UPL) oder der SAP ABAP Call Monitor eingerichtet werden. Die Unterschiede zwischen diesen beiden Werkzeugen werden im Folgenden beschrieben:

Usage and Procedure Logging (UPL):

Mit UPL ist es möglich, alle gerufenen und ausgeführten ABAP-Prozeduren wie ABAP-Programme, Klassen, Methoden und Subroutinen aufzuzeichnen. Eingeschlossen sind dynamisch aufgerufene ABAP-Elemente.

UPL unterstützt alle ABAP-basierten SAP-Systeme. Die Logik für das UPL steckt in den Komponenten SAP_BASIS sowie ST-PI und im SAP-Kernel. Dabei ersetzt UPL nicht die Workload-Statistiken (Transaktion ST03N), sondern liefert zusätzliche Daten und schließt die bestehenden Lücken. Die vollen Reporting-Möglichkeiten ergeben sich, indem die gesammelten Daten im SAP Business Warehouse (SAP BW) des SAP Solution Managers mit weiteren Informationen angereichert werden.

SAP ABAP Call Monitor (SCMON):

Der Einsatzbereich des ABAP Call Monitors (Transaktionscode SCMON) ist die Überwachung der Ausführung von ABAP-Code in einem SAP-System (wie der Aufruf von Methoden, Funktionsbausteinen etc.). Im Vergleich zu UPL besteht der Vorteil darin, dass nicht nur Daten zu den aufgerufenen ABAP-Prozeduren, sondern auch Informationen zum aufrufenden Geschäftsprozess gesammelt werden. Somit kann der ABAP Call Monitor als umfangreicherer Nachfolger von UPL gesehen werden und dieses Werkzeug ersetzen.

Die Aktivierung des ABAP Call Monitors kann für mehrere Systeme zentral über den SAP Solution Manager 7.2 erfolgen. Der SAP Solution Manager sammelt die Daten für ein angebundenes System entweder von UPL oder dem ABAP Call Monitor. Er kann auch die SCMON-Daten in das integrierte SAP-BW-System extrahieren.

Empfehlung:

Starten Sie die Datensammlung so bald wie möglich. Eine historische Datenbasis von 13 Monaten hat sich bewährt. So können die Analysen auf der Datenbasis eines vollen Jahres inklusive eines Geschäftsjahresabschlusses erfolgen.

 


Teil 2 – Phasen und Funktionen

Neben dem Bedarf, kundeneigene Objekte über deren Lebenszyklus hinweg zu verwalten, möchten Sie sich als SAP-Kunde vielleicht zunächst einen Überblick über die kundeneigenen Objekte in den bereits seit vielen Jahren existierenden SAP-Systemlandschaften verschaffen. Oft stellt sich die Frage, ob und welche kundeneigenen Objekte überhaupt noch produktiv genutzt werden.

Die Antwort auf diese Frage bringt auch diejenigen Eigenentwicklungen zu Tage, die nicht mehr benötigt werden und stillgelegt werden können. Damit kann die Anzahl der kundeneigenen Objekte minimiert werden, was sich positiv auf Ihre Kosten auswirkt. Wenn nicht bekannt ist, ob kundeneigene Objekte überhaupt genutzt werden, müssen diese trotzdem gewartet, bei einem Release-Wechsel angepasst und getestet werden. Zusätzlich müssen diese Eigenentwicklungen auch funktional erweitert werden. Von SAP ausgelieferte Innovationen bleiben dabei ungenutzt. Mit dem Custom Code Management im SAP Solution Manager 7.2 können Sie sich dagegen auf die wirklich notwendigen kundeneigenen Objekte fokussieren.

Wir empfehlen anhand der folgenden vier Phasen vorzugehen und die Funktionen zu nutzen, die der SAP Solution Manager 7.2 bietet. Starten Sie frühestmöglich mit der Einrichtung der Datensammlung, damit die darauf ausgeführten Analysen eine möglichst große Zeitspanne berücksichtigen.

1. Phase: Transparenz schaffen

Sorgen Sie zunächst für eine umfassende Transparenz im Umfeld Ihrer kundeneigenen Entwicklungen. Nutzen Sie den SAP Solution Manager als zentrales System, um die Daten aus den umliegenden SAP-Systemen zu sammeln und zur Verfügung zu stellen. Strukturieren Sie die Ergebnisse und verschaffen Sie sich einen Überblick. Diese Maßnahmen bilden den Grundstein für die umfangreichen Analysemöglichkeiten der im SAP Solution Manager verfügbaren Tools. Über das Work Center „Verwaltung kundeneigener Entwicklungen“ bekommen Sie einen Überblick und haben Zugriff auf die wichtigsten Funktionen:

 

2. Phase: Kundeneigene Entwicklungen optimieren.

Starten Sie die Optimierung, indem Sie Ihre festgelegte Strategie anwenden. Das Ziel besteht darin, nicht mehr benötigte kundeneigene Objekten in Ihren SAP-Systemen stillzulegen, sofern dies notwendig ist. Bleiben Sie möglichst beim SAP-Standard. Diese Verschlankung entschärft etwaige Unsicherheiten, was unbekannte bzw. schlecht dokumentierte Objekte betrifft. Zudem hilft sie dabei, die Kosten für Anpassungen zu reduzieren. Nutzen Sie das Cockpit und die Tools, die Ihnen der SAP Solution Manager zur Verfügung stellt (siehe Abbildung „Analyse des kundeneigenen Codes“ – Transaktionscode CCAPPS). Führen Sie die dort verfügbaren Analysen regelmäßig aus, da Erfahrungen aus der Praxis zeigen, dass kundeneigene Entwicklungen oft schon nach wenigen Jahren angepasst werden müssen bzw. nicht mehr in Gebrauch sind.

 

 

3. Phase: Kontrolle gewinnen

Versuchen Sie, die Kontrolle über Ihre Objekte zurückzuerhalten. Definieren Sie in Ihrem Unternehmen Richtlinien für Entwicklungen, wenn diese noch nicht vorhanden sind, und etablieren Sie Verfahren und Verantwortlichkeiten, um die Qualität dieser Richtlinien zu sichern. Nutzen Sie die Möglichkeiten der bereitgestellten Dashboards, um Ihre Eigenentwicklungen zu verwalten. Definieren Sie Ihre Ziele und messen Sie diese anhand der festgelegten KPIs.

 

 

4. Phase: Ungenutzte Objekte stilllegen

Entfernen Sie im letzten Schritt die identifizierten kundeneigenen Objekte nach einer entsprechenden Verweilzeit. Halten Sie sich vor Augen, dass ungenutzte kundeneigene Entwicklungen negative Auswirkungen auf das System haben können. Zusätzlich sorgen sie für erhöhte Kosten und bilden ein Hindernis auf dem Weg zur Nutzung von neuen Technologien.

 

Hinterlassen Sie einen Kommentar

Nach oben